Entwicklungs-Begleitung in der Partnerschaft

Auf dieser Seite erfahren Sie,

1. welche Fragen zu Beginn einer Entwicklungs-Begleitung für Paare (Paartherapie) gestellt werden könnten.

2. wie Sie Ihre ersten Erfahrungen von Beziehungsqualität einschätzen können.

3. in welche Stufen eine Beziehungsentwicklung unterteilt werden könnte.

4. wie man verzeihen kann, wenn man will.

5. welches meine Grundsätze bei der Entwicklungsbegleitung von Paaren sind.

 

Außerdem können Sie sich

6. illustrierte Texte zu vielen Themen der Paar-Begleitung herunterladen

 

Zur Selbst-Begleitung in der Partnerschaft stelle ich Ihnen

7. Gedichte zum herunterladen bereit

 

1. Beginn der Begleitung

Eine Paartherapie – ich nenne meine Arbeit lieber Paarentwicklungsbegleitung – beginnt mit der Entscheidung beider Partner*innen, ihre Beziehung mit Unterstützung Dritter auf den Prüfstand zu stellen.

Die Kernfrage zu Beginn einer Entwicklungsbegleitung ist:

Wollen wir und, wenn ja, wie wollen wir künftig unsere Beziehung gestalten?

Prägnanter gefasst: 

Wohlwollender Neuanfang oder faire Trennung 

Folgende Teilthemen könnten erörtert werden, wenn es der gemeinsame Prozess zulässt. Weitere Themenwünsche können selbstverständlich hinzutreten.

Wohlwollender Neuanfang

(in vielen Bereichen), denn das bisherige Beziehungshandeln war anscheinend nicht befriedigend und tragfähig genug.

 

Anziehung:

Was fanden wir einst und was finden wir noch aneinander attraktiv?

Wieso haben wir uns eigentlich ineinander verliebt?

 

Aufarbeitung alter Verletzungen:

Wie haben wir uns – bewusst oder unbewusst – weh getan?

Wie können wir uns Kränkungen vergeben, um diese aus dem Weg zu räumen?

 

Augenhöhe:

„Liebe ist das Kind der Freiheit.“

Wie unterdrücke ich dich und/oder unterwerfe ich mich dir?

Wie können wir künftig Hierarchien erkennen und – wenn gewünscht – vermeiden?

 

Bindungsbereitschaft:

Können wir uns wirklich aufeinander einlassen?
Wie steht es mit 

·     Vertrauen und Einfühlung

·     Verständnis und Respekt

·     Wohlwollen und Wertschätzung

·     Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit

·     Zärtlichkeit, Erotik und Sexualität

 

Partnerschaft als Entwicklungsgemeinschaft:

Wie gelingt uns derzeit und gelang uns bisher ein repressionsfreies und zugleich tragfähiges gemeinsames Drittes?

 

Ich-Du-Wir:

„Das Wir ist der magische Moment.“

Kommen Ich und Du mit unseren Träumen und Lebensentwürfen und samt unseren Unterschieden im weiten Wir vor?

Faire Trennung

wenn bei einem/einer Partner*in die Motivation für einen Neuanfang nicht mehr da ist.

 

Klärung:

Wieso ist es uns beiden bisher nicht gelungen, eine uns haltende Bindung und ein uns tragendes Wir zu erschaffen?

Warum vermute ich und vermutest du, dass wir beiden keine Chance für ein liebevolles und erfülltes Miteinander haben?

 

Wertschätzung:

Was waren unsere schönen, glücklichen Zeiten miteinander?

Was ist uns in unserer Beziehung gelungen?

 

Verzicht auf Schuldzuweisung:

Wie kann ich meinen sehr wahrscheinlichen Anteil der Verantwortung an unserem gemeinsamen Versagen annehmen?

 

Altlasten

Welche (ver-)störenden Beziehungserfahrungen schränken meine und deine Beziehungsfähigkeit ein?

·     aus dem Kind-Mutter-Vater-Beziehungsdreieck

·     mit anderen wichtigen Bezugspersonen, z. B. Geschwister

·     aus der Schulzeit

·     aus früheren Partnerschaften etc.

 

Neustart:

Was würde ich in einer neuen Beziehung nicht mehr oder nicht wieder tun?

Worauf würde ich in einer neuen Beziehung besonders achten?

Was habe ich zu lernen (dazu zu gewinnen), bevor ich neu in eine Beziehung starte?

 


2. Einschätzung der Erfahrung von Beziehungsqualität

Unsere ersten und damit am stärksten prägenden Beziehungserfahrungen sammeln wir im Dreieck von Kind-Mutter-Vater. Einzeln betrachtet, sind es drei Erfahrungsbereiche

  1. die Beziehung von uns als Kind zur Mutter (Für Mutter ersatzweise die wesentliche frühe weibliche Bezugsperson, die nah und über längere Zeit durch Leben begleitet hat.) 
  2. die Beziehung von uns als Kind zum Vater (Für Vater ersatzweise die wesentliche frühe männliche Bezugsperson, die nah und über längere Zeit durch Leben begleitet hat.) 
  3. die Beziehung von Mutter und Vater zueinander

Prüfen Sie, inwieweit die folgenden 16 Aussagen auf Sie zutreffen:

ja      eher ja       eher nein      nein.       weiß nicht

Meine Mutter* hat mir durch ihr Verhalten gezeigt, was es konkret bedeutet, einen Menschen vorbehaltlos und wohlwollend anzunehmen.

Meine Mutter hat mich gewollt, aber nicht gebraucht, weil sie mit sich selbst weitgehend zufrieden und im Reinen war.

Meine Mutter hat mir den Raum zur Selbstentfaltung zugestanden, den ich in meiner jeweiligen Lebensphasen brauchte, ohne mich in meiner Entwicklung allein zu lassen.

Meine Mutter ist in Resonanz mit meinen Gefühlen gegangen, hat mir diese gespiegelt und mich dabei unterstützt, konstruktiv auch mit schwierigen Gefühlssituationen umzugehen.

Meine Mutter konnte meine Bedürfnisse erkennen, diese zuverlässig und hinreichend bestätigen und erfüllen sowie mich zum Erkennen und Erfüllen meiner Bedürfnisse anleiten.

Mein Vater** hat mir durch sein Verhalten gezeigt, was es konkret bedeutet, einen Menschen vorbehaltlos und wohlwollend anzunehmen.

Mein Vater hat mich gewollt, aber nicht gebraucht, weil er mit sich selbst weitgehend zufrieden und im Reinen war.

Mein Vater hat mich darin unterstützt, meine besonderen Fähigkeiten zu entdecken, mich diesbezüglich gefördert und zugleich hilfreich gefordert, ohne mich zu überfordern.

Mein Vater hat mich unter anderem durch sein Vorbild darin gefördert, meine Gefühle zu zeigen und zu regulieren.

Mein Vater nahm meine Bedürfnisse ernst und unterstützte mich unter anderem durch sein Vorbild darin, sie sozial angemessen auszuleben.

Meine Eltern haben mir vorgelebt, wie ich eine lebendige und tragfähige Beziehung gestalten könnte.

Wenn ich von allen Unfähigkeiten meiner Eltern absehe, erahne ich, dass sie mich gewollt, geliebt und geschützt haben, so gut sie es vermochten.

Es gab und gibt in meinem Leben Menschen, die mir gezeigt und sogar vorgelebt haben, wie eine gute Beziehung gestaltet werden könnte.

Es gab und gibt in meinem Leben Menschen, die mich in meiner Besonderheit erkannt, gemocht und unterstützt haben.

Inzwischen habe ich eine konkrete Idee davon, wie ich mit meinen Möglichkeiten eine tragfähige, liebevolle, partnerschaftliche Beziehung mitgestalten könnte.

Durch meine Partnerwahl und in meiner Partnerschaft muss ich negatives Beziehungserleben aus Kindheit und Jugend weniger wiederholen und es gelingt mir immer mehr, meine Ideen von guter Beziehung umzusetzen.

3. Stufen der Beziehungsentwicklung

1.     Begegnung mit spontaner 

a.   Sympathie 
(Überbetonung der Gemeinsamkeiten, Wunsch-Projektionen, Übertragung positiver Bindungs-Erfahrungen) oder

b.   Antipathie 
(Überbetonung der Unterschiede, Schatten-Projektionen, Übertragung negativer Bindungs-Erfahrungen)

 

2.     Scheinkontakt als 

a.     Höflichkeit 
(Konventionalität, Einhaltung von Umgangs-Regeln und Tabus, gutes „Benehmen“), 

b.     Freundlichkeit 
(Hervorheben des möglicherweise Verbindenden, Anknüpfen am Positiven im anderen) oder 

c.     Verliebtheit 
(Werbung durch Hervorkehren der besten Kontakt-Eigenschaften, Symbiose als Betonung des Gemeinsamen, wechselseitige Idealisierung, Verschmelzung im Gleichen, Sehnsucht nach bedingungsloser Anerkennung, unbewusster Wunsch nach wechselseitiger Reparatur von Traumata – kumulative Mikro- und einmalige Makro-Traumata)

 

3.     Desillusionierung der Symbiose durch Wiedererwachen der Autonomie- und Freiheits-Wünsche 
(Erwachen in der Unterschiedlichkeit, Erkennen der Einzigartigkeit und der damit vermachten Isolation und Einsamkeit, Entzauberung des/der Geliebten und Hass gegen den anderen wegen Verrats der Liebes-Illusion)

 

4.     Echtkontakt durch 

a.     Herstellung der Balance zwischen Bindungs- und Autonomie-Wünschen (Freiheit in Geborgenheit) verbunden mit der 

b.     Entwicklung von Selbst-Verantwortlichkeit:
Ich bin nicht meine Gedanken und Gefühle (Überidentifikation), und ich habe nicht Gedanken und Gefühle (Desidentifikation, Abspaltung), sondern ich mache mir meine Gedanken und Gefühle, bin also 100% für meine Gefühle, Gedanken und die daraus resultierenden Handlungen verantwortlich.

 

5.     Vertrauens-Aufbau durch 

a.     Integrität 
(Ehrlichkeit vor allem sich selbst, aber auch anderen gegenüber; Streben nach Konsistenz/Stimmigkeit)

b.     Entwicklungs-Offenheit 
(Mut und Öffnung zur Auseinandersetzung mit den vorgängigen Beziehungs-Erfahrungen – vor allem mit denen im Zusammenhang mit primären Bezugs-Personen – Eltern, Geschwistern u. a. nahen Menschen – , um Übertragungen abzubauen und Projektionen zurückzunehmen, Unterscheidung von hilfreichen und hinderlichen Beziehungs-Erfahrungen) und 

c.     Verlässlichkeit 
(Verbindung von Wort und Tat im Sinne von Glaubwürdigkeit)

 

6.     Partnerschaft, Freundschaft, Liebe

4. Verzeihen können und wollen

In jeder Beziehung wird einer der Partner*innen oder werden beide Partner*innen früher oder später etwas tun, was den anderen verletzt.

Das geschieht schon deshalb, weil auch in einer Beziehung jeder Partner ein Individuum bleibt mit Wünschen und Bedürfnissen, von denen einige den Wünschen und Bedürfnissen des anderen widersprechen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird daher der Tag kommen, an dem eine/r der Partner*innen etwas tut, was dem/der anderen heftig missfällt, ihn/sie verletzt, kränkt oder anderes.

 

Die häufigste der massiven Verletzungsquellen ist „Fremdgehen“ als intime oder sexuelle Kontakte eines Partners mit einem Außenstehenden.

Aber auf Dauer ähnlich verletzend können Drogenkonsum, Unaufmerksamkeit sowie Desinteresse an den Bedürfnissen des Gegenüber und damit die psychische Abwesenheit eines Partners sein.

 

Ist einer der Partner*innen stark verletzt oder gekränkt, dann ist es wichtig, dass Prozesse der Wiederannäherung in Gang kommen, so dass der/die gekränkte Partner*in der anderen Seite vergeben kann.

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man nach einem solchen Ereignis nur dann eine Chance hat, die Beziehung wieder auf ein gutes Funktionsniveau zu bringen, wenn der/die verletzte Partner*in 

  • der anderen Person irgendwann vergeben kann und damit keine Vorbehalte mehr hat, dem/der Verletzenden nicht ständig Vorwürfe macht und keine „Ausgleichs-Forderungen“ mehr stellt und 
  • der anderen Person irgendwann wieder vertrauen kann, so dass er/sie den/die Partner*in nicht mehr kontrollieren muss, nicht mehr ständig misstrauisch ist und die Verlässlichkeit der Beziehung in Frage stellt.

Denn ansonsten vergiftet der verletzte Partner die Beziehung durch

  • ständiges Misstrauen, Hinterfragen und Ausfragen, durch Anschuldigungen und Verdächtigungen und/oder
  • ständige Kontrolle und/oder
  • ständige Vorhaltungen, Nörgeleien, Vorwürfe und /oder
  • ständiges Hinweisen auf Verletzungen, Kränkungen und deren Folgen.

Im Grund steht ein/eine verletzte Partner*in vor der Wahl zwischen (nur!) zwei Alternativen:

  1. Er/sie verzeiht dem/der Partner*in und baut wieder Vertrauen auf. Dadurch schafft er/sie die Möglichkeit, dass sich die Beziehung wieder positiv entwickeln kann.
  2. Er/sie verzeiht dem/der Partner*in nicht und ruiniert dadurch langsam aber sicher die Beziehung. Im Zweiten Fall kann (und sollte) man sich besser trennen, um zu verhindern, dass man die Beziehung in Stillstand und Elend treibt.

Verzeihen ist leichter für Partner*innne, die Beziehung nicht als „Leibeigenschaft“ und Fremdgehen oder Drogenkonsum nicht als „Kapital-Verbrechen“ betrachten, sondern als etwas, dass man zwar be- und verarbeiten muss, dass ein Bedrohung darstellen kann, dass man klären muss, dass man aber auch verstehen und deshalb auch verzeihen kann.

 

Sollte ein/eine Partner*in tief verletzt sein, dass er/sie glaubt, nicht verzeihen zu können und im Groll steckenbleibt, dann ist dies nicht Gegenstand der Paartherapie, sondern sollte in einer Einzeltherapie aufgearbeitet werden.

5. Grundsätze zur Entwicklungsbegleitung von Paaren

Unter dieser Überschrift erfahren Sie etwas über

  • Voraussetzungen für Potenzial-Entfaltung,
  • Partnerschaft als Entwicklungs-Gemeinschaft,
  • Herausforderungen und Potenziale in Partnerschaft und Familien,
  • ein konstruktives Sozial-Klima und
  • Schritte vom Paar zur Familie

Voraussetzungen für Potenzialentfaltung

Voraussetzung für Potenzial-Entfaltung bei Einzelpersonen, aber auch bei Paaren, in Familien, Gruppen und Gemeinschaften ist eine von allen mit verantwortete dynamische Balance zwischen

  • Gemeinsamkeit (Konformität, Miteinander, Absprache, Zusammenhalt, Geborgenheit, Zugehörigkeit, soziale Nähe) und
  • Unterschiedlichkeit (Diversität, Selbstständigkeit, Eigensinn, Besonderheit, Freiheit, Autonomie, Individualität, Originalität, soziale Distanz). 

Bisweilen verhindern herrschende Normen, wozu auch sich formende Paar-, Familien- und Gruppen-Normen zählen, dass sich die Beteiligten in ihrer kreativen und konstruktiven Unterschiedlichkeit entfalten können.

Dann bilden sich meist Herrschafts-, Gewalt- und Tabu-Strukturen heraus, die eine Weiterentwicklung und gleichberechtigte Beziehung und eine Integration aller in die Familie,die Gruppe oder die Gemeinschaft erschweren bis verunmöglichen.

  • Bei zu viel Gemeinschaftlichkeit, zu viel Konformität implodiert ein Paar, eine Familie oder Gruppe, eine Gemeinschaft und Gesellschaft.
  • Bei zu viel Unterschiedlichkeit, zu viel Individualität und Eigeninteresse explodiert eine Partnerschaft, Familie oder Gruppe, Gemeinschaft und Gesellschaft.

Diese Implosions- und Explosions-Prozesse können geräuschlos und schleichend erfolgen.

Wir Menschen sind Beziehungs-Wesen.
Die Art des Selbst-Bezuges wie die Art, wie wir mit anderen Menschen umgehen, leiten wir größtenteils mehr oder weniger bewusst aus unseren Beziehungs-Erfahrungen ab - vor allem aus denen in der Kindheit mit den Eltern. Geschwistern und anderen nahen Kontakt-Personen (Primär-Gruppe).

Wenn wir uns ändern wollen, weil wir unsere Einstellungen und Verhaltens-Weisen als gegenüber uns selbst oder anderen unangemessen und einengend erleben, ist es sinnvoll, sowohl einen Blick nach hinten zu werfen, woher unsere derzeitigen Haltungen und Handlungen kommen, als auch einen Blick nach vorn, wohin wir uns entwickeln wollen, welche Werte und damit korrespondierende Verhaltens-Weisen wir also stattdessen in unserem Leben verwirklichen wollen.

 

Wenn zwei Menschen in einer Partnerschaft zusammenkommen, stoßen real zwei Erfahrungs-Welten und Beziehungs-Systeme aufeinander.
Es heiraten nicht nur zwei Menschen, sondern auch zwei Herkunfts-Familien.

Die meisten Probleme in Partnerschaften erwachsen aus verletzenden und/oder einengenden Erfahrungen (Gebote, Verbote, Bestrafungen, Verletzungen, Demütigungen) aus diesen Herkunfts-Beziehungs-Systemen.

 

Damit wird die gemeinsame Gestaltung einer gelingenden, weil lebendigen, freiwilligen, gleichberechtigten, Entwicklung ermöglichenden Partnerschaft zur wohl komplexesten Herausforderung im Leben.

 

Die "Ent-Deckung" - im sinnbildlichen Sinne des Wortes als Freilegung -  und die Pflege eines tragfähigen Wirs, in dem das Ich und das Du aufgehen, zugleich aber vollständig und unverletzt bleiben und weiterhin wachsen dürfen, ist die vornehmste Aufgabe in Partnerschaften.
Und zwar geht es um ein Wir, das Erfahrungen von Übersummativität ermöglicht, derzufolge das Ganze mehr wird als die Summe seiner Teile.
Mit diesem Wir wird eine Partnerschaft zur Entwicklungs-Gemeinschaft.

 

Wenn man sich mit Paarbeziehungen beschäftigt, kommt man um die Klärung von Begriffen nicht herum, die unterschiedliche Aspekte der Paarbeziehungen beleuchten:

  • Kontakt steht für unsere Fähigkeit zur bewussten, aktiven, psychosozial-kreativen Beziehungsanbahnung und Beziehungsgestaltung zu uns selbst und zu anderen Wesen.Sichere Bindung schafft in uns die Grundlage, uns hingabe- und vertrauensvoll auf die Nähe zu anderen Menschen einzulassen.
  • Unsichere Bindung erschwert Liebe und Partnerschaftlichkeit.Liebe meint das tiefe unmittelbare Erleben von Verbundenheit mit Menschen und Mitwelt und die daraus organisch erwachsende Selbst- wie Gesamtverantwortung für alle und alles.
  • Partnerschaft steht für unsere Sehnsucht und unser Bestreben, miteinander eine zeitlich unbegrenzte Beziehung als experimentelle und liebevolle Entwicklungs-Gemeinschaft kontaktvoll zu gestalten.

Es gibt nach meiner Erfahrung kaum etwas Schöneres, als eine lebendige, für Entwicklungen offene und zugleich dauerhafte, verbindliche Partnerschaft zu genießen. Es gibt zugleich kaum etwas Schwierigeres, als eine Partnerschaft bewusst und gezielt als Entwicklungs-Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit miteinander psychosozialkreativ zu gestalten. Vieles ist dafür zu können. Können erwirbt man durch Lernen. So sind einerseits hinderliche Haltungen und Verhaltensweisen auf dem Weg zu Beziehungskompetenz und Paarliebe zu verlernen, also dauerhaft zu unterlassen. Andererseits sind förderliche Haltungen und Verhaltensweisen neu zu lernen und, soll das Lernen veränderungswirksam sein, letztendlich auch in Alltagshandlungen umzusetzen. 

 

Herausforderungen und Potenziale in Partnerschaften

Auf Menschen, die sich für Zusammenleben oder dauerhafte Kooperation entschieden haben oder in Strukturen des Miteinander hineingeraten sind, kommen über kurz oder lang vielfältige Herausforderungen zu:

  • Unterschiedliche Vorerfahrungen mit erlebten und gelebten Beziehungen treffen aufeinander.
  • Es begegnen sich nicht nur Einzel-Menschen, sondern Herkunfts-Systeme im Kontext von Geschichte, Politik, Wirtschaft und Kultur.
  • Wert-Vorstellungen, Lebens-Entwürfe und Lebens-Erfahrungen müssen aufeinander abgestimmt werden.
  • Missverständnisse, Krisen und Konflikte sind zu klären und möglichst konstruktiv zu bewältigen.

Das Potenzial einer Partnerschaft und Familie zeigt sich dann, wenn die Beteiligten nach interner und externer Einschätzung qualitativ Besseres zustande bringen als die Einzelpersonen in Summe: „Das hätte keiner von uns allein so gut - so schön, so neu, so plausibel, so komplex, so stimmig, so liebevoll, so umsichtig - hinbekommen.“

Das Entwicklung-Potenzial ist also aktiviert, wenn das Phänomen der Übersummativität erlebt werden kann, wenn also das Paar oder die Familie mehr Umsicht, Kreativität, Möglichkeits-Räume, Wirksamkeit und Kontinuität entfaltet als jeder und jede einzelne für sich allein.

 

Zur Potenzial-Entfaltung sollten die Partner und Familien-Mitglieder nicht nur ein stabiles Wir-Gefühl entwickeln können.

Es sollte darüber hinaus beim Paar und in der Familie zugleich eine bunte und damit Kreativität fördernde Vielfalt an Einstellungen, Interessen und Ideen gelebt werden können

Ein konstruktives Sozialklima

Ein Sozial-Klima, eine Familien-, Gruppen-, Gemeinschafts- und Organisations-Kultur, in der sich kreative Potenziale entfalten können, wird geschaffen durch:

  • Zulassen von Vielfalt und Öffnung zur Individualität statt
    Abstempelung zu Außenseitern und deren Ausgrenzung
  • Integration, Inklusion und wechselseitige Unterstützung statt
    Mobbing, Ausgrenzung, Ausschluss, Cliquen- und Eliten-Bildung,
  • Selbstkritische Innenschau und Eigenverantwortlichkeit statt
    Suche nach Schuldigen und Sünden-Böcken im Außen,
  • klärende Rückmeldungen und Bemühen um Echtheit und Verständlichkeit statt
    forcierter Missverständnisse durch Ironie, Zuspitzungen, Polemik, Zynismus und Sarkasmus,
  • Partnerschaftlichkeit als respektvolles Nebeneinander
    statt Rang-Kämpfen und starren Hierarchien u. v. a. m. 

Menschen können dafür sensibilisiert werden, Ungleichgewichte in der dynamischen Balance von Gemeinsamkeit und Unterschied zu erkennen.

Fast alle Menschen können qualifiziert werden, diese Ungleichgewichte durch gezielte Interventionen (Rückmeldungen, Befindlichkeits-Runden, Einführung von Vereinbarungen und Gesprächs-Ritualen, Interaktions-Verlangsamung usw.) mit ausgleichen zu helfen. 

Schritte vom Paar zur Familie

Die Erweiterung des Beziehungs-Repertoires um Vater- und Mutter-Funktionen kann zu Verwerfungen in der Beziehung, aber auch zu Spannungen in den Herkunfts-Familien führen:

  • Zusammensein und Zusammenleben erfährt eine neue Verbindlichkeit und Intensität, die auch von Nähe-Ängsten überschattet wird.
  • Ansprüche aus Partnerschaft können in Konflikt zu den Ansprüchen aus dem neuen Vater-Mutter-Kind-Dreieck geraten.
    Dieses neue Beziehungs-Dreieck mit dem ihm innewohnenden Konflikt-Potenzial gilt es konstruktiv zu managen.
  • Zugleich werden aus den Eltern Großeltern mit neuen Ansprüchen, Kontakt-Erfahrungen und Aufgaben gegenüber der jungen Familie und den Enkel-Kindern.

Die mit dem Übergang vom Paar zur Familie vermachten Probleme, Konflikte, Ängste und Wünsche kann ich mit Ihnen thematisieren und bearbeiten, so dass Sie diese Schwierigkeiten meist mit entsprechender Sorgfalt und erforderlicher Geduld in konstruktive Beziehungs-Erfahrungen verwandeln können.

 

6. Illustrierte Download-Texte zur Entwicklungs-Begleitung in der Partnerschaft

Ich stelle Ihnen in dem folgenden Download-Texten unter anderem  mehrere Ansätze der Paar- und Sexualberatung vor:

  • In der relationalen Psychoanalyse, von ihr als Beziehungs-Analyse bezeichnet, entdeckte Thea Bauriedl die Bedeutung der Grenz-Ziehungen zur Herstellung von Selbst- und Fremd-Kontakten „neu“ und ergänzte bzw. verfeinerte dadurch einige gestalttherapeutischen Erkenntnisse.
    Ihr Ansatz ist interessant für Paare, die zur Konfluenz (gefühlsmäßiges Hinüberfließen zum anderen), zu Verschmelzung als Selbst- oder Fremd-Anpassung an den Partner oder die Partnerin neigen.

  • David Schnarch stellt den Interaktions-Aspekt der Paare, die Partnerschafts-Ökologie in den Mittelpunkt seiner Betrachtung.

  • Jack Lee Rosenberg und andere stellen den Körper und die Aufarbeitung der individuellen Sexualgeschichte ins Zentrum.
  • In der Tradition von Wilhelm Reich steht bei Alexander Lowen die Liebes-Fähigkeit einschließlich einer erfüllenden Sexualität im Mittelpunkt seiner körperpsychotherapeutischen Arbeit. Körperlich konkret und zugleich metaphorisch geht es Lowen in der Bioenergetik um ein Denken, Fühlen und Handeln vom Herzen aus. 

Download
Konzepte zur Entwicklungs-Begleitung von Paaren, Familien und Gruppen
o Beziehungs-Strukturen und Beziehungs-Qualitäten
o Paar- und Familien-Begleitung
o Klärungsorientierte Paar-Therapie
o Kooperation in Gruppen
o Konzepte der Gruppen-Dynamik
o Themenzentrierte Interaktion
4-1_Konzepte _zur_Entwicklungs-Begleitun
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Download
Liebes-Fähigkeit
o Liebe
o Selbst-Wert-Gefühl als Grundlage der Selbst-Liebe
o Selbst-Erkenntnis als Grundlage der Selbst-Liebe
o Selbst-Umgang
o Werte-Klärung als zentraler Aspekt der Selbst-Erkundung
o Selbst-Beziehung: Stand und Wünsche
4-2_Liebes-Fähigkeit.pdf
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Download
Partnerschaftlichkeit
o Paar-Qualitäten von A bis Z
o Partnerschaft
o Konstruktives sozial-kommunikatives Handeln
4-3_Partnerschaftlichkeit.pdf
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Download
Erkundung von Beziehungs-Erfahrungen und Entwicklungs-Möglichkeiten
Abenteuer Leben
I: Beziehungs-Erfahrungen aus Herkunfts-Familien und -Kulturen
II: Prä-, peri- und postnatale Beziehungs-Erfahrungen
III: Beziehungs-, Autonomie- und Bindungs-Erfahrungen aus der Kindheit
IV: Beziehungs-Erfahrungen aus Jugend und Adoleszenz
V: Beziehungs-Erfahrungen und Beziehungs-Gestaltung als Erwachsene
VI: Beziehungen zur Entwicklungs-Begleitung: Erfahrungen und Erwartungen
4-4_Erkundung_von_Beziehungs-Erfahrungen
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Download
Sexualität und Partnerschaft
o Sexualität und integrative Körper-Psychotherapie
o Erlangung von Liebes-Fähigkeit durch Befreiung des Leibes
o Ganzheitliche Sexualität und Innenerleben
o Intimität und Verlangen
4-5_Sexualität_und_Partnerschaft.pdf
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7. Gedichte zur Entwicklungs-Begleitung in der Partnerschaft

Die Ihnen in den folgenden Download-Texten vorliegende umfangreiche Gedichtsammlung zu Kontakt, Bindung und Liebe in Paarbeziehungen kann Ihnen die Idee von Partnerschaft als Entwicklungs-Gemeinschaft aus vielen Perspektiven näher bringen und Ihnen einen Einstieg in diese Haltung zur Paarbeziehung erleichtern.

Entwicklungs-Begleitung von Paaren, sei es als Ehe- und Lebensberatung, als Paar-Coaching oder Paartherapie führt immer noch in Deutschland ein therapeutisches Schattendasein, ist teuer, muss selbst bezahlt werden und hat keine allgemeinverbindlichen Mindestqualitätsstandards.

Deshalb entstand eine umfangreiche Ratgeberliteratur zur Selbsthilfe für sich allein gelassen erlebende, irritierte bis verzweifelte, aber immer noch entwicklungsbereite Menschen in Paarbeziehungen.

Ich möchte mit meinen Gedichten die Ratgeberliteratur nicht ergänzen, sondern Ihnen über viele Gedichte zu einer breiten Themenpalette eine prinzipiell andere Begleitquelle für Ihre Paarentwicklung anbieten.

Die Gedichte sind im Zusammenhang meiner Praxis als Entwicklungs-Begleitender entstanden, der mit einem besonderen Ansatz der Poesietherapie arbeitet. Ich empfehle Entwicklung suchenden Personen, sich mit Gedichten zu beschäftigen, die zu ihrem Thema passen, oder schreibe – gleichsam als Sitzungsprotokoll – Gedichte, wenn das entsprechende Thema noch nicht abgehandelt wurde.

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Helmut von Bialy: Partnerschaft als Sozialkunstwerk - Kurzfassung
20_Partnerschaftskunst-Kurzfassung.pdf
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Helmut von Bialy: Partnerschaft als Sozialkunstwerk - Verdichtete Erfahrungen eines Paartherapeuten als Anregungen zur Selbsterkundung
o Prolog: Partnerschaft als Sozialkunstwerk
o Wir öffnen uns für den Dialog
o Wir kommen in Kontakt mit den inneren Kindern
o Als Jugendliche testen wir Möglichkeiten aus
o Als Mann und Frau treffen wir kraftvoll aufeinander
o Als Geliebte verschmelzen wir in Verliebtheit
o Wir beschauen und revidieren unsere Erwartungen
o Als Mutter und Vater gründen wir eine Familie
o Als Paar sind wir loyal
o Als Weise und Weiser blicken wir auf das Leben
o Wir erkennen und lösen enge familiäre Vorgaben
o Wir erkennen und überwinden engende Muster
o Wir klären unsere Gefühlsprozesse
o Wir fühlen uns wechselseitig ein
o Wir erkunden und klären unsere Denkwelten
o Wir stimmen uns in der Sprache ab
o Wir erkennen und stillen unsere Bedürfnisse
o Wir berühren uns leiblich
o Wir fördern bewusst unser Beziehungs-Wir
o Wir stimmen unsere Werthaltungen ab
o Wir pflegen unsere Freundschaft
o Epilog: Wir gelangen zu wahrhafter Liebe
19_Partnerschaftskunst.pdf
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Helmut von Bialy: Solidarisch und frei in der Partnerschaft leben - Gedichte
Teil 1: Partnerschaftlichkeit anstreben
Teil 2: Heilsame Beziehungs-Erkundung
Teil 3: Sozial-Entwicklungs-Ziele
Teil 4: Paar-Liebe
Teil 5: Erotik, Sexualität und Liebe
Teil 6: Bindungs-Erfahrungen und Beziehungs-Fähigkeit
Teil 7: Bezugs-Personen und Beziehungs-Fähigkeit
Teil 8: Achtsamkeit für innere Eltern und Kinder
Teil 9: Kindheits-Frustrationen und Neubeelterung
Teil 10: Was Partnerschaftlichkeit zerstört
Teil 11: Binden oder trennen
Teil 12: Fragen zur Entwicklungs-Begleitung von Paaren
09_Partnerschaft.pdf
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