Zwölf Geburten zum Leben in Liebe

Dieser Themen-Bereich wendet sich an Menschen, die Interesse an einer weitgehend bewussten und selbstbestimmten Lebens-Gestaltung und Potenzial-Entfaltung haben. Dies bedeutet unter anderem, ihre durchlebten Lebens-Krisen zu akzeptieren sowie ihre künftig wahrscheinlichen Entwicklungs-Krisen in ihren Lebens-Entwurf kreativ einzubeziehen. Sie können sich mit Hilfe verdichteter Texte zu Lebens-Krisen von der Zeugung bis zum Sterben selbst erkunden und sich von den Gedichten durch schwierige Episoden hindurch thematisch begleiten lassen. Aufbauend auf der Geburts-Metapher werden zwölf Umbruch- und Durchbruch-Stationen im Leben zur Grundlage genommen, um krisenbehaftete Schlüssel-Situationen der Lebens-Spanne in Innenwelt- und Mitwelt-Balladen abzubilden.

Die Idee: Krisenvorbeugung durch Krisenwissen

Wie kommt jemand – in diesem Fall ich - auf die Idee, zwölf Geburten zum gelingenden Leben in Vers-Maß und Reim-Form zu beschreiben?

Ich war mit meiner ersten Frau etwa 20 Jahre zusammen. Unsere beiden Töchter waren sechs und ein Jahr alt. Unsere Beziehung war in einer tiefen Krise, obwohl wir uns sehr liebten.

Zum Glück fiel uns das Buch von Bernard Lievegoed: „Lebenskrisen – Lebenschancen - Die Entwicklung des Menschen zwischen Kindheit und Alter“ (Kösel, München 1979) in die Hände. In ihm beschrieb Lievegoed, dass in manchen langjährigen Beziehungen, die sehr liebevoll und stabil sind, tiefe Herkunfts-Schatten aus dem kollektiven Unbewussten nach oben steigen können, die dann auf den Partner oder die Partnerin projiziert werden.

Aus dem „Obwohl wir uns liebten“ konnte ein „Weil wir uns liebten“ werden.

Diese nur scheinbar minimale Neudeutung (Reframing) der Krisen-Situation rettete damals unsere Beziehung, die wir fast zwei Jahrzehnte trotz aller Schatten-Anfechtungen aus recht unterschiedlicher und schwieriger Herkunft so liebevoll, wie wir damals sein konnten, weiter führten.Heute erst verstehe ich, dass ich damals – anfangs noch unbewusst - die Weichen für diese Arbeit gestellt habe. Ab 2007 war in mir der Entschluss gereift, eine auf den Erfahrungen einer humanistisch-integrativen, systemisch-integralen und transpersonalen Psychotherapie und einer entsprechenden Entwicklungs-Begleitung aufbauende Psychologie der Entwicklung für die gesamte Lebens-Spanne - also für alle Lebens-Phasen - zu verfassen.Die Texte in diesem Bereich der „Geburten zum Leben in Liebe“ möchte ich Ihnen auf dieser Website zur Verfügung stellen.

Entwicklungspsychologie als Anregung zur Potenzial-Entfaltung

Eine Psychologie oder besser Psychosophie, also Weisheits-Lehre zur seelischen Entwicklung, wie ich sie verstehe, enthält eine Aufforderung zur Prävention im Sinne einer rechtzeitigen Auseinandersetzung mit Entwicklungs-Krisen und Wachstums-Chancen hin zum gelingenden, erfüllenden Mensch-Sein. Dies schließt ein gemeinschaftliches Bemühen um Verwirklichung einer humanen und ökologischen Welt-Ethik und einen entsprechenden Zusammenleben ein.

Entwicklungs-Psychologie wird von mir nicht verstanden als Beschreibung verallgemeinerbarer Standard-Entwicklung und daraus abgeleiteter Entwicklungs-Standards durchschnittlicher, also sogenannt normaler Menschen in einer für mich immer noch eigentümlichen bis skurrilen und absurden Gesellschafts-, Wirtschafts- und Welt-Ordnung.

In einer überwiegend neurotisierten Welt – und so schätze ich den gegenwärtigen Gesellschafts-Zustand meist ein - ist Normales angstbestimmt.

Eine psychosophische Entwicklungs-Psychologie in meinem Verständnis ist Anregung zur aktiven, selbstbestimmten und wirksamen Potenzial-Entfaltung.

Entwicklung-Krisen und Wachstums-Chancen

Die Metapher der zwölf Geburten beschreibt zwölf ausgewählte Entwicklungs-Krisen – Krise dabei verstanden als unausweichliche Entscheidungs-Situation mit Gefahren und neuen Optionen. Dabei liegt bei mir der Akzent auf den mit jeder Krise sich neu entfaltenden Entwicklungs-Optionen, wenngleich Krisen auch immer ein Risiko des Scheiterns in sich tragen und zumeist mit der Notwendigkeit von Verabschiedung verknüpft sind.

Geburten als Entwicklungs-, Umbruch- und Transformations-Metaphern beschreiben Abschiede und Wachstums-Chancen, die unser Leben von der Zeugung bis zum Tod – und vielleicht sogar darüber hinaus – begleiten. Entwicklungs-Krisen sind meist keine Ufos vom Mars, die unerwartet und unberechenbar über unser Leben herein brechen und es bedrohen. Auf Standard-Krisen-Situationen wie Geburt und Tod können sich Frau und Mann sich – zumindest zu einem großen Teil – leibseelisch vorbereiten. Vorbereitung ist hier nicht gemeint als Planung, sondern im Sinne des Wortes als ein Sich-zuvor-bereit-Machen. So kann man sich auf das Sterben und den Tod vorbereiten durch Sterbe-Bereitschaft, wobei mit Sterbe-Bereitschaft, mit der Geburt Nummer zwölf, nicht ein resignatives Sich-drein-Finden in unser unumgängliches Ende, sondern eine aktive Einbeziehung der unausweichlichen Tatsache der materiellen Vergänglichkeit und des leiblichen Todes in das Leben gemeint ist – aber lesen Sie selbst.

Wir sind unserem Leben nicht nur ausgeliefert, sondern können es auch mitgestalten. Wir können unter anderem darauf achten,

  • Gefahren, die mit jedem Schritt in neue psycho-soziale Herausforderungen verbunden sind, zu minimieren und Chancen zu nutzen,
  • die mit jeder neuen bio-psycho-sozio-kulturellen Geburt verbundenen Entscheidungen achtsam zu treffen, 
uns  beispielsweise rechtzeitig und vollständig aus dem Eltern-Haus zu lösen und „auf Wanderschaft zu gehen“, um den ersten Schritt ins Erwachsen-Werden zu vollenden – Geburt Nummer sechs zu Selbst-Verantwortung und Selbstständigkeit einschließlich der Verantwortungs-Übernahme für die Schatten-Seiten des Daseins.
Lebens-Krisen entstehen mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Generations-Sprüngen, 
  • wenn also durch die Geburt eines Kindes Partner zu Eltern und Eltern zu Großeltern werden oder
  • wenn durch schwere Krankheit, Demenz oder Tod der Großeltern die ehemaligen Kinder, inzwischen oft selbst Eltern, in die Fürsorge-Situation geraten, in der früher ihre Eltern, jetzt oft Großeltern, waren. 

Diese Generations-Sprünge mit den aus ihnen heraus entstehenden Aufgaben als Aufgreifen neuer Sozial-Funktionen und notwendigen Abgaben als Loslassen bisheriger Sozial-Funktionen ermöglichen und erfordern einen teils radikalen Wandel in der Lebens-Perspektive.

Für diesen Wandel der Sicht-Weise auf das Dasein benutze ich die Metapher der bio-psycho-kulto-sozialen Geburt.

Zwölf Geburten auf dem Lebensrad

Zwölf Geburten habe ich auf einem „Lebensrad“ angeordnet, um zu zeigen, wie sich die Geburten gegenseitig durchdringen und beeinflussen. Besonders markant ist der Zusammenhang von erster und zwölfter Geburt: Weisheit und Sterbe-Bereitschaft führen nicht in Todes-Angst und Resignation angesichts der Erfahrung von Vergänglichkeit, sondern hin zu mehr Lebens-Bejahung und Daseins-Bereitschaft, wenn die zwölfte Geburt geglückt ist. Die Vollendung der ersten Geburt kann sogar als Indikator dafür genommen werden, ob die zwölfte Geburt gelungen ist.Ein anderes Beispiel zum „Lebens-Rad“:

Das Erwachen eines existenzgrundlegenden Ich-Bewusstseins (Geburt 3) geht der Entfaltung eines Wir-Bewusstseins (Geburt 5) zwar erst einmal voraus, aber es besteht durchaus eine Wechsel-Wirkung in die andere Richtung, dass ein aufkommendes Wir-Bewusstsein auch unser Ich-Bewusstsein verändert.

 

Für mich ist das Geboren-Sein, was die Tatsache der Endlichkeit und des Todes einschließt, für ein Gelingen des Lebens bestimmend. Mit jeder neuen „Geburt“ entsteht eine besondere Weise, Bewusstsein zu verkörpern und Herausforderungen zu meistern.

Bei seiner leiblichen Geburt ist niemand allein. Diese in meinem Verständnis zweite Geburt kann ein schöpferisches Beziehungs-Geschehen sein, das zwei, drei oder mehr Menschen auf ihre besondere Art zugleich erleben.

Ich wünsche, auch Sterben kann wieder zu so einem Beziehungs-Geschehen werden.

 

Die zwölf Geburten zum gelingenden und erfüllten Leben stellen eine Art Checkliste dar, anhand derer Sie überprüfen können, ob, was in Ihnen geboren sein könnte – manche Geburten sind ein wenig altersabhängig -, auch schon vollständig geboren ist und welcher Geburts-Prozess noch in welchen Teil-Bereichen ansteht.

 

Bio-öko-psycho-soziale Geburten

Vollständige Geburts-Prozesse sind immer integral, d. h. sie berühren und wandeln zugleich die Lebens-Dimensionen des Biologischen, des Ökologischen, des Psychischen, des Kulturellen und Sozialen einschließlich seiner politischen und wirtschaftlichen Dimension.

Diese Teil-Geburten verbinden sich durch die Vielfalt ihrer Wechsel-Wirkungen zu einer dynamischen Einheits-Erfahrung.

Biologische Geburt:

Prozesse des leiblichen Entstehens und Vergehens begleiten uns über unser gesamtes Leben.

Wir erleben bewusst die Phasen unseres biologischen Wandels durch Veränderung der Hormon-Struktur, der Immun-Abwehr und anderer subtiler biologischer Prozesse (Geschlechts-Reife, Mutter- und Vaterschaft, Menopause, Krankheits- und Alterungs-Prozesse).

Wir würdigen die Weisheit unseres Leibes, die Zuverlässigkeit der zumeist unbewussten Regulations-Prozesse im Körper, unseren permanenten Austausch mit der Mitwelt und unsere untrennbare Verbundenheit mit ihr.

Wir akzeptieren die Endlichkeit unseres leiblichen Hierseins.

Ökologische Geburt:

Schon unser Gezeugt-Werden beinhaltet, in eine Mitwelt hinein gezeugt zu werden, auch wenn die Mitwelt des Menschen in Entstehung erst einmal als die Gebär-Mutter und der Mutter-Leib erscheint.

Aber auch die Mutter ist als biologisches Wesen eingebettet in die ökologischen Bedingungen für Atmen und Ernähren, von Wärme und Kälte, von Trockenheit und Trinkwasser-Reichtum.

Wir schützen die Menschheit und Mitwelt als Teil der Eigenwelt.

Wir erfahren die Einbettung des Organismus Erde in den Evolutions-Prozess des Kosmos.

Psychische Geburt:

In unserem Denken, Fühlen und Entscheiden werden neue Möglichkeiten freigelegt.

Wir erleben uns bewusster, selbstbestimmter und verantwortlicher in diesen inneren Prozessen.

Wir erkennen und akzeptieren unsere Entwicklungs-Chancen und Grenzen.

Wir können klarer darüber Auskunft geben, wer wir sind und wozu wir da sind.

Wir unterscheiden deutlicher zwischen Wissen, Vermuten und Ahnen.

Wir beziehen unsere Intuition ein und entwickeln diese weiter.

Wir erkennen den Bereich des Unbewussten in uns an und nehmen Kontakt zu unseren noch im Vorbewussten schlummernden Begrenzungen und Potenzialen auf.

Kulturelle Geburt:

Wir achten uns als geistige Wesen.

Wir erleben uns als Traditions- und Gestaltungs-Wesen im Kontext der uns umgebenden Kulturen.

Wir erkennen die Bedeutung der Herkunfts-Milieus, der Subkulturen, der Sprach-Sozialisation, der gesellschaftlichen Übereinkünfte und der Bildungs-Angebote für unsere Persönlichkeits-Entwicklung.

Wir befreien uns von den Fesseln einer uns beengenden Kultur, verstehen und verhalten uns als aktiv Mitgestaltende im globalen kulturellen Kontext.

Wir erkennen und bestimmen den Stellenwert und Zusammenhang von Alltags-Bewältigung, Wissenschaft und Spiritualität.

Soziale Geburt:

Wir erleben uns im Kontext der uns einschließenden und umgebenden sozialen Institutionen.

Wir übernehmen Funktionen in definierten und von uns zu definierenden und auszugestaltenden Feldern der sozialen Interaktion.

Wir begreifen die Bedeutung der durch demokratische Übereinkünfte oder durch Willen zur Macht-Erhaltung geschaffen politischen Institutionen mit ihren offiziellen und heimlichen Regeln und zielführenden wie zielverfehlenden Abläufen.

Wir bestimmen die Bedeutung von Aufbau- und Ablauf-Organisationen – räumlich und gesetzlich – für die Verwirklichung unserer Lebens-Entwürfe.

Wechsel-Wirkungen:

Wir entwickeln zunehmend Verständnis für die Wechsel-Wirkungen dieser fünf Geburts-Bereiche in unserem individuellen Entwicklungs-Gang, Entwicklungs-Prozess anderer Personen, von Gemeinschaften, Gemeinden, Nationen bis hin zur Menschheit. 

Gedichte

Download
Helmut von Bialy: Zwölf Geburten zu einem Leben in Liebe - Gedichte
o Zwölf Geburten im Überblick
o Erste Geburt: Lebens-Bejahung und Krisen-Mut
o Zweite Geburt: Atem-Kontakt, Bindung, Vertrauen
o Dritte Geburt: Ich-Bewusstsein, Typen, Individualität
o Vierte Geburt: Geschlechts-Bewusstsein, Normalität, Neurosen
o Fünfte Geburt: Wir-Bewusstsein, Kommunikation, Gruppen
o Sechste Geburt: Autonomie, Werte, Würde
o Siebte Geburt: Selbst-Liebe und Lebens-Freude
o Achte Geburt: Beziehungs-Fähigkeit und Partnerschaft
o Neunte Geburt: Elternschaft, Familie, Gemeinschaft
o Zehnte Geburt: Lebens-Mitte, Kreativität, Zukunfts-Fähigkeit
o Elfte Geburt: Seelen-Bewusstsein, Transpersonalität und Spiritualität
o Zwölfte Geburt: Alter, Weisheit, Sterbe-Bereitschaft
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