Mein Tätigkeits-Schwerpunkt: Entwicklungs-Begleitung von Paaren und Familien, Gruppen und Gemeinschaften

  1. Im ersten Teil auf dieser Seite teile ich Ihnen meine Grundsätze zur Entwicklungs-Begleitung von Paaren, Familien, Gruppen und Gemeinschaften mit.
  2. Im zweiten Teil formuliere ich Thesen zur Entwicklungs-Begleitung von Paaren und Familien.
  3. In einem dritten Teil biete ich Ihnen illustrierte Download-Texte zur Begleitung von Paaren, Familien und Gruppen an.
  4. Der vierte Teil bietet Ihnen einen Download-Gedicht-Band zu Zwölf Geburten auf dem Lebensrad zu einem Leben in Liebe.
  5. Der fünfte Teil ist ein Plädoyer für ein partnerschaftliches Leben in Gemeinschaften, ergänzt
    durch einen illustrierten Download-Text zur Gemeinschafts-Kompetenz und
    durch zwei Download-Gedicht-Bände:

    Teil 1: Solidarisch und frei in Partnerschaft, Gemeinschaft und Gesellschaft leben
    Teil 2: Fünfplusfünf-Achtsamkeit zur solidarisch-selbstgesteuerten Kooperation und Konflikt-Bewältigung in Partnerschaften und Gemeinschaften 

1. Grundsätze zur Entwicklungs-Begleitung von Paaren und Familien, Gruppen und Gemeinschaften

Unter dieser Überschrift erfahren Sie etwas über

  • Voraussetzungen für Potenzial-Entfaltung,
  • Partnerschaft als Entwicklungs-Gemeinschaft,
  • Herausforderungen und Potenziale in Partnerschaft und Familien,
  • ein konstruktives Sozial-Klima und
  • Schritte vom Paar zur Familie

Voraussetzungen für Potenzial-Entfaltung

Voraussetzung für Potenzial-Entfaltung bei Einzelpersonen, aber auch bei Paaren, in Familien, Gruppen und Gemeinschaften ist eine von allen mit verantwortete dynamische Balance zwischen

  • Gemeinsamkeit (Konformität, Miteinander, Absprache, Zusammenhalt, Geborgenheit, Zugehörigkeit, soziale Nähe) und
  • Unterschiedlichkeit (Diversität, Selbstständigkeit, Eigensinn, Besonderheit, Freiheit, Autonomie, Individualität, Originalität, soziale Distanz). 

Bisweilen verhindern herrschende Normen, wozu auch sich formende Paar-, Familien- und Gruppen-Normen zählen, dass sich die Beteiligten in ihrer kreativen und konstruktiven Unterschiedlichkeit entfalten können.

Dann bilden sich meist Herrschafts-, Gewalt- und Tabu-Strukturen heraus, die eine Weiterentwicklung und gleichberechtigte Beziehung und eine Integration aller in die Familie,die Gruppe oder die Gemeinschaft erschweren bis verunmöglichen.

  • Bei zu viel Gemeinschaftlichkeit, zu viel Konformität implodiert ein Paar, eine Familie oder Gruppe, eine Gemeinschaft und Gesellschaft.
  • Bei zu viel Unterschiedlichkeit, zu viel Individualität und Eigeninteresse explodiert eine Partnerschaft, Familie oder Gruppe, Gemeinschaft und Gesellschaft.

Diese Implosions- und Explosions-Prozesse können geräuschlos und schleichend erfolgen.

Partnerschaft als Entwicklungs-Gemeinschaft

Wir Menschen sind Beziehungs-Wesen.
Die Art des Selbst-Bezuges wie die Art, wie wir mit anderen Menschen umgehen, leiten wir größtenteils mehr oder weniger bewusst aus unseren Beziehungs-Erfahrungen ab - vor allem aus denen in der Kindheit mit den Eltern. Geschwistern und anderen nahen Kontakt-Personen (Primär-Gruppe).

Wenn wir uns ändern wollen, weil wir unsere Einstellungen und Verhaltens-Weisen als gegenüber uns selbst oder anderen unangemessen und einengend erleben, ist es sinnvoll, sowohl einen Blick nach hinten zu werfen, woher unsere derzeitigen Haltungen und Handlungen kommen, als auch einen Blick nach vorn, wohin wir uns entwickeln wollen, welche Werte und damit korrespondierende Verhaltens-Weisen wir also stattdessen in unserem Leben verwirklichen wollen.

 

Wenn zwei Menschen in einer Partnerschaft zusammenkommen, stoßen real zwei Erfahrungs-Welten und Beziehungs-Systeme aufeinander.
Es heiraten nicht nur zwei Menschen, sondern auch zwei Herkunfts-Familien.

Die meisten Probleme in Partnerschaften erwachsen aus verletzenden und/oder einengenden Erfahrungen (Gebote, Verbote, Bestrafungen, Verletzungen, Demütigungen) aus diesen Herkunfts-Beziehungs-Systemen.

 

Damit wird die gemeinsame Gestaltung einer gelingenden, weil lebendigen, freiwilligen, gleichberechtigten, Entwicklung ermöglichenden Partnerschaft zur wohl komplexesten Herausforderung im Leben.

 

Die "Ent-Deckung" - im sinnbildlichen Sinne des Wortes als Freilegung -  und die Pflege eines tragfähigen Wirs, in dem das Ich und das Du aufgehen, zugleich aber vollständig und unverletzt bleiben und weiterhin wachsen dürfen, ist die vornehmste Aufgabe in Partnerschaften.
Und zwar geht es um ein Wir, das Erfahrungen von Übersummativität ermöglicht, derzufolge das Ganze mehr wird als die Summe seiner Teile.
Mit diesem Wir wird eine Partnerschaft zur Entwicklungs-Gemeinschaft.

Herausforderungen und Potenziale in Partnerschaft und Familien

Auf Menschen, die sich für Zusammenleben oder dauerhafte Kooperation entschieden haben oder in Strukturen des Miteinander hineingeraten sind, kommen über kurz oder lang vielfältige Herausforderungen zu:

  • Unterschiedliche Vorerfahrungen mit erlebten und gelebten Beziehungen treffen aufeinander.
  • Es begegnen sich nicht nur Einzel-Menschen, sondern Herkunfts-Systeme im Kontext von Geschichte, Politik, Wirtschaft und Kultur.
  • Wert-Vorstellungen, Lebens-Entwürfe und Lebens-Erfahrungen müssen aufeinander abgestimmt werden.
  • Missverständnisse, Krisen und Konflikte sind zu klären und möglichst konstruktiv zu bewältigen.

Das Potenzial einer Partnerschaft und Familie zeigt sich dann, wenn die Beteiligten nach interner und externer Einschätzung qualitativ Besseres zustande bringen als die Einzelpersonen in Summe: „Das hätte keiner von uns allein so gut - so schön, so neu, so plausibel, so komplex, so stimmig, so liebevoll, so umsichtig - hinbekommen.“

Das Entwicklung-Potenzial ist also aktiviert, wenn das Phänomen der Übersummativität erlebt werden kann, wenn also das Paar oder die Familie mehr Umsicht, Kreativität, Möglichkeits-Räume, Wirksamkeit und Kontinuität entfaltet als jeder und jede einzelne für sich allein.

 

Zur Potenzial-Entfaltung sollten die Partner und Familien-Mitglieder nicht nur ein stabiles Wir-Gefühl entwickeln können.

Es sollte darüber hinaus beim Paar und in der Familie zugleich eine bunte und damit Kreativität fördernde Vielfalt an Einstellungen, Interessen und Ideen gelebt werden können

Ein konstruktives Sozial-Klima

Ein Sozial-Klima, eine Familien-, Gruppen-, Gemeinschafts- und Organisations-Kultur, in der sich kreative Potenziale entfalten können, wird geschaffen durch:

  • Zulassen von Vielfalt und Öffnung zur Individualität statt
    Abstempelung zu Außenseitern und deren Ausgrenzung
  • Integration, Inklusion und wechselseitige Unterstützung statt
    Mobbing, Ausgrenzung, Ausschluss, Cliquen- und Eliten-Bildung,
  • Selbstkritische Innenschau und Eigenverantwortlichkeit statt
    Suche nach Schuldigen und Sünden-Böcken im Außen,
  • klärende Rückmeldungen und Bemühen um Echtheit und Verständlichkeit statt
    forcierter Missverständnisse durch Ironie, Zuspitzungen, Polemik, Zynismus und Sarkasmus,
  • Partnerschaftlichkeit als respektvolles Nebeneinander
    statt Rang-Kämpfen und starren Hierarchien u. v. a. m. 

Menschen können dafür sensibilisiert werden, Ungleichgewichte in der dynamischen Balance von Gemeinsamkeit und Unterschied zu erkennen.

Fast alle Menschen können qualifiziert werden, diese Ungleichgewichte durch gezielte Interventionen (Rückmeldungen, Befindlichkeits-Runden, Einführung von Vereinbarungen und Gesprächs-Ritualen, Interaktions-Verlangsamung usw.) mit ausgleichen zu helfen. 

 

Bedeutsam für den Lern- und Arbeits-Erfolg in Teams und verbunden mit den Werten der Gleichberechtigung und Partnerschaftlichkeit, der Hierarchie- und Gewalt-Freiheit ist die Suche nach angemessenen Kommunikations-Formen.

Schritte vom Paar zur Familie

Die Erweiterung des Beziehungs-Repertoires um Vater- und Mutter-Funktionen kann zu Verwerfungen in der Beziehung, aber auch zu Spannungen in den Herkunfts-Familien führen:

  • Zusammensein und Zusammenleben erfährt eine neue Verbindlichkeit und Intensität, die auch von Nähe-Ängsten überschattet wird.
  • Ansprüche aus Partnerschaft können in Konflikt zu den Ansprüchen aus dem neuen Vater-Mutter-Kind-Dreieck geraten.
    Dieses neue Beziehungs-Dreieck mit dem ihm innewohnenden Konflikt-Potenzial gilt es konstruktiv zu managen.
  • Zugleich werden aus den Eltern Großeltern mit neuen Ansprüchen, Kontakt-Erfahrungen und Aufgaben gegenüber der jungen Familie und den Enkel-Kindern.

Die mit dem Übergang vom Paar zur Familie vermachten Probleme, Konflikte, Ängste und Wünsche kann ich mit Ihnen thematisieren und bearbeiten, so dass Sie diese Schwierigkeiten meist mit entsprechender Sorgfalt und erforderlicher Geduld in konstruktive Beziehungs-Erfahrungen verwandeln können.

 

Als Pädagoge habe ich mich insbesondere mit Früherziehung befasst und bin zur Erkenntnis gekommen, dass Befähigung zum Bindungs-Aufbau, also zum einfühlenden Kontakt-Aufnehmen und zum feinfühligen Sich-Beziehen auf die Babys/Kleinkinder, Grundlage für gelingende Elternschaft und damit für Entwicklungs-Chancen der Kinder ist.

Ich bearbeite, kläre und löse mit Ihnen als Eltern kooperativ Fragen wie:

  • Sind wir als Eltern gut genug?
  • Sind unsere Kinder bei uns sicher gebunden?
  • Was können wir tun, was sollten wir unterlassen, um die psychosoziale und physische Entwicklung unseres Kindes/unserer Kinder zu unterstützen?
  • Wie gelingt uns die Balance zwischen Zutrauen in die Autonomie-Kompetenz des Kindes und deren rechtzeitige Unterstützung bei emotionaler, sozialer, motorischer und intellektueller Überforderung?
  • Können wir unsere Kinder angemessen begleiten, indem wir ihnen Anregungen und Raum zum Erforschen, Unterstützung in schwierigen Situationen, Trost beim Scheitern und Wärme und Geborgenheit im Anschluss an die Forschungs-Reise geben können?
  • Gelingt uns eine entwicklungsförderliche Mischung aus folgen (pacing) und führen (leading)?

2. Thesen zur Entwicklungs-Begleitung von Paaren und Familien

1. Entwicklungs-Begleitung, wie ich sie verstehe, unterstützt Sie dabei,

  • zu einer lebendigen, liebevollen Partnerschaft oder Familien-Gemeinschaft zusammenzufinden oder, wenn dies Ihnen trotz mutigem und geduldigem Bemühen nicht gelingen sollte,

  • sich fair als Partner zu trennen, d. h. ohne Schuld-Zuweisung bzw. Verantwortungs-Abschiebung und möglichst respektvoll-freundschaftlich, ohne im Falle der Familien-Bildung Ihre Aufgaben als Eltern-Team, also als verlässliche Entwicklungs-Begleitende für Ihre Kinder zu vernachlässigen.

2. Eine lebendige, liebevolle, die Entwicklung jeder einzelnen Persönlichkeit und die Entwicklung der Partnerschaft (des Familien-Zusammenhalts) hin zu mehr innerer und äußerer Stimmigkeit aufzubauen und über viele Jahre aufrechtzuerhalten, ist eine der anspruchsvollsten, wenn nicht sogar die anspruchsvollste Herausforderung, der wir uns in unserem Leben stellen können.

  • Es geht darum, Lieblosigkeiten, Hierarchien und Macht-Gefälle, sadomasochistische Unterdrückungen und Unterwerfungen sowie andere unpartnerschaftliche Verhaltens-Muster in den Familien-Systemen der Herkunfts-Familie zu erkennen, auch wenn dies mit seelischem Schmerz und Desillusionierung verbunden ist, um den Prozess der unbewussten intergenerativen Weitergabe von Beziehungs-Unfähigkeiten durch Bewusstwerdung zu unterbrechen,

  • Es geht zugleich darum, liebevolles, gleichberechtigtes partnerschaftliches Verhalten zu bestimmen und achtsam-experimentell so lange zu erproben, bis es im neuen und erwünschten Verhaltens-Repertoire verankert ist. 

3. Beziehungs- und Liebes-Fähigkeit, also angemessenes, Intimität und Vertrauen förderndes Handeln im Beziehungs-Alltag, kann nicht einfach vorausgesetzt werden.
Die Vorstellung: „Wer sich liebt, handelt auch angemessen.“, bedient zwar ein romantisches Liebes-Ideal, berücksichtigt jedoch nicht,

  • dass Beziehungs-Fähigkeit wie jede Fähigkeit gelernt werden muss und

  • dass aus der Vergangenheit, vor allem von den Eltern übernommenes Fehlverhalten in Beziehungen entlernt, also von der Persönlichkeit abgelöst werden muss. 

4. Beziehungs- und Liebes-Fähigkeit zu erwerben, erfordert

  • Wissen und Bewusstsein durch intensive Beschäftigung – geistig und emotional – mit den sozialen und psychischen Möglichkeiten und Chancen sowie Herausforderungen und Gefahren von Partnerschaft und

  • Handeln und Bewusstheit als praktisch-experimentelles Einüben neuer, angemessenerer Verhaltens-Muster in den Bereichen, in denen sich bisherige Einstellungen, Haltungen und Handlungs-Weisen nicht bewährt haben.  

5. Unsere psychische Struktur wird bestimmt durch die Summe der Beziehungs-Erfahrungen und der daraus abgeleiteten Beziehungs-Erwartungen.
Wenn Menschen sich für eine Beziehung entscheiden, kommen zwei Beziehungs-Systeme zusammen
, stoßen im Wesentlichen zwei Vater-Mutter-Kind-Erfahrungs-Muster aufeinander. Im kern stellen sich folgende Fragen zur Selbst-Erkundung:

  • Welche Beziehungs-Erfahrungen haben du und ich mehr oder minder bewusst im Zusammenhang mit unseren Müttern erworben und als Kinder unreflektiert verinnerlicht, also als Beziehungs-Modell in uns aufgenommen?
  • Welche Beziehungs-Erfahrungen haben du und ich im Zusammenhang mit unseren Vätern – ob sie anwesend waren oder fehlten – erworben?
  • Welche Beziehungs-Erfahrungen haben wir aus der liebevollen, lieblosen oder fehlenden Beziehung zwischen Mutter und Vater abgeleitet und uns zu Eigen gemacht?
  • Welche sonstigen Beziehungs-Erfahrungen haben wir verinnerlicht aus dem System der Herkunfts-Familie, aus der Herkunfts-Kultur und aus vorgängigen Beziehungen?  

6. Entwicklungs-Begleitung bemüht sich darum, Sie als Paar oder Familie in Ihrem individuellen und gemeinsamen Entwicklungs-Weg zu (mehr) Beziehungs- und Liebes-Fähigkeit konstruktiv und kreativ zu begleiten. 

  • Entwicklungs-Begleitung braucht von Ihnen, dass Sie sich darum bemühen, sich selbst und Ihren Partner/Ihre Partnerin sowie Ihre Partnerschaft und Ihre Familie in der von Ihnen gewünschten Richtung achtsam, selbstkritisch und liebevoll, zumindest freundschaftlich zu begleiten.
  • Für eine wirksame Entwicklungs-Begleitung ist von Ihnen als Paar (Familie) Ihre Bereitschaft und Ihr Mut gefordert, sich Ihren Fehlern, Irrtümern, Verwirrungen, Verwicklungen, Stagnationen und Rückfällen in Bezug auf die Entwicklung Ihrer Beziehungs- und Liebes-Fähigkeit zu stellen und damit verbundene Kränkungen des Stolzes, Scham- und Schuld-Gefühle und seelische Schmerzen und Ängste zuzulassen, auch wenn dies meist nicht einfach ist.
    Bedürfnisse, die nicht anerkannt werden, können nicht befriedigt werden.
    Unbefriedigte Bedürfnisse machen uns schlechte Gefühle.
    Gefühle, die zugelassen werden, können kontrolliert und auf die dahinterliegenden Bedürfnisse hin hinterfragt werden und verlieren mit der Zeit ihre Macht über Sie.

Nur auf der Grundlage Ihrer Entwicklungs-Bereitschaft können Begleitende Sie als Paar/Familie dabei unterstützen, zu mehr Klarheit und Selbstverwirklichung zu gelangen und in den Fluss des lebenswerten Lebens zu finden. 

 

7. Beziehungs-Fähigkeit entwickelt sich umso eher

  • je mehr Bindungs-Sicherheit wir aus der Kindheit mitbringen oder durch äußere wie innere Nachbeelterung (Reparenting) des inneren Kindes nachträglich erreichen,
  • je mehr uns unsere Eltern eine konstruktive Beziehung untereinander sowie zu uns selbst wie zu unseren Geschwistern vorlebten oder je klarer wir uns heute darüber werden, was für uns eine lebenswerte Beziehung ausmacht,
  • je mehr wir uns also klar machen, was Beziehungs-Fähigkeit im Einzelnen umfasst, und damit beginnen, entsprechende Fähigkeiten zu erwerben,
  • je mehr wir die Beziehungs-Fähigkeit störenden bis sabotierenden Verhaltens-Weisen (Gedanken, Äußerungen, Bewegungen und Handlungen) unterlassen,
  • je mehr wir bereit sind, uns unseren Schwächen und Mängeln in Bezug auf Liebes-Fähigkeit als Fähigkeit, Liebe zu geben und entgegenzunehmen, mit freundlicher Achtsamkeit zu stellen,
  • je vertrauter uns ein experimentelles Entwicklungs-Vorgehen im Zusammenhang mit einer konstruktiven Fehler-Kultur wird. 

8. Sie als Paar/Familie und wir Entwicklungs-Begleitende bilden, wenn es gut geht, eine Entwicklungs-Gemeinschaft auf Zeit, die Sie dabei unterstützen kann, als Paar/Familie eine Entwicklungs-Gemeinschaft auf Dauer zu werden.
Zu einer Entwicklungs-Gemeinschaft zu werden, erfordert,

  • die Würde jedes Partners/jeder Partnerin als gleichwertigen, liebevollen und zugleich nach Liebe suchenden Menschen jederzeit zu respektieren und sich, wo immer dies möglich ist, auf Augen-Höhe zu begegnen,
  • sich seinen Ängsten vor Veränderung (Entwicklung) zu stellen und diese in Fähigkeiten zum umsichtigen Handeln in Bezug auf das Neue und noch Unbekannte Bessere zu wandeln (transformieren),
  • aus den Fallen der Reaktivität, des Opfer-Seins und der Beschuldigung anderer auszusteigen und für die eigenen Gedanken, Gefühle, Vermeidungen und Handlungen die volle (Aktions-) Verantwortung zu übernehmen. 

9. Ihre Initiative besteht unter anderem darin, Entwicklungs-Begleitenden für konstruktive Zusammenarbeit einen Vertrauens-Vorschuss entgegenzubringen.
Die Aufgabe der Begleitenden besteht in diesem Zusammenhang darin, das in sie gesetzte Vertrauen nach Möglichkeit nicht zu enttäuschen.
Damit Begleitende diese Aufgabe überhaupt wahrnehmen können, brauchen sie, weil sie kein Hellsehenden sind, Ihre frühzeitige und ehrliche Rückmeldung, wenn

  • Sie den Begleitenden gegenüber misstrauisch werden,
  • das, was diese Ihnen sagen, Ihren Lebens-Erfahrungen widerspricht,
  • Sie sich von den Begleitenden manipuliert, von oben herab behandelt, zurechtgewiesen, verurteilt und/oder unterdrückt fühlen,
  • Sie den Eindruck haben, dass Begleitende parteilich für eine Seite werden,
  • Begleitende Ihre Persönlichkeit, Ihren Entwicklungs-Weg, Ihre Kompetenzen und Bemühungen nicht hinreichend zu beachten und zu würdigen scheinen,
  • Sie bei den Begleitenden Sie störende und einschränkende Verhaltens-Weisen von Bezugs-Personen aus Ihrer Kindheit, also z. B. Ihrer Eltern oder Geschwister, wiederkennen,
  • Sie ärgerlich, wütend, sauer auf die Begleit-Personen zu werden drohen usw.

10. Menschen sind Beziehungs-Wesen, die versuchen, ihr Leben möglichst stimmig zu gestalten, also passend

  • zu sich selbst und ihren Lebens-Entwürfen, abgestimmt auf ihre Vorstellungen, Wünsche und Träume, was Sinn, Glück und Erfüllung im Leben bedeutet, sowie
  • zu den ihnen nahestehenden Menschen.

11. Persönlichkeit ist in diesem Sinne das Gesamt der Beziehungs-Erfahrungen

  • familiär,
  • freundschaftlich,
  • partnerschaftlich,
  • gesellschaftlich (Kita, Schule und Beruf),
  • kulturell (Bücher, Kunst) und
  • ökologisch (Kontakt zu Tieren und Pflanzen),

das Leid und die Widersprüchlichkeiten in diesen Erfahrungen eingeschlossen.

 

12. Um sein Leben stimmig gestalten zu können, gilt es sowohl seine Herkunft als auch seine Zukunfts-Vorstellungen einer kritischen Revision zu unterziehen?

  • Was aus meiner Vergangenheit, was aus meinem Herkunfts-Erfahrungen hindert mich daran, zu einem Lebens-Gefühl innerer Stimmigkeit, des Einverstandenseins mit der Wahl meiner Beziehungen und meines Lebens in diesen Beziehungen zu gelangen?
    Was in der Kindheit eine gute Lösung für Beziehungs-Probleme gewesen ist, kann sich heute als hinderlich erweisen. Was für ein Kind, das in Beziehungs-Strukturen von existenzieller Abhängigkeit (von den Eltern oder anderen zentralen Bezugs-Personen) aufwächst, anfangs als stimmiger Lebens-Entwurf, als bestmögliche Lösung unter den bestehenden Beziehungs-Bedingungen erschienen ist, kann beim Wandel hin zum Jugendlichen und Erwachsenen mit mehr Wahl-Möglichkeiten zur freien Gestaltung des Lebens unangemessen werden.

  • Was von meinen Ansprüchen an das Leben hindert mich daran, zu einem Lebens-Gefühl persönlicher Integrität und Daseins-Zufriedenheit vorzudringen?
    Aus Mangel an Feinfühligkeit, angemessener Zuwendung und Liebe der Eltern oder anderer wichtiger Bezugs-Personen kann es bei Menschen dazu kommen, dass sie anstelle ihrer echten Bedürfnisse nur Ersatz-Bedürfnisse befriedigen.
    Dann setzen sie z. B. an die Stelle der Liebe die Macht, woraus sich niemals ein „sattes“ Lebens-Gefühl von Angekommen-Sein sich entwickeln kann, sondern es bleibt ein ewiger Hunger nach mehr und anderem, den Menschen häufig über Konsum oder häufigen Partner-Wechsel zu stillen trachten? 

 

13. Alle Menschen haben allgemeine psychosoziale Grundbedürfnisse nach Bindung (Zugehörigkeit), Kontrolle (Selbstwirksamkeit), Selbstwert-Sicherung (Erhöhung und Erhalt) sowie nach Lust-Gewinn samt Unlust-Vermeidung.
Spezielle Beziehungs-Bedürfnisse sind die nach Anerkennung und Wichtig-Sein, nach Verlässlichkeit und Solidarität sowie nach Autonomie und dem eigenen Territorium in der Partnerschaft/Familie. 

  1. Ein positives Gefühls-Erleben (Freude, Liebe, Zufriedenheit, Glück) stellt sich ein, wenn diese Bedürfnisse insgesamt und miteinander beachtet und befriedigt werden oder eine Befriedigung absehbar möglich erscheint.

  2. Ein negatives Gefühls-Erleben (Ärger, Wut, Traurigkeit, Frust) stellt sich ein, wenn die Bedürfnis-Befriedigung bedroht oder verhindert wird.
    Dazu zählt auch, dass die Bedürfnisse zueinander in Konkurrenz treten, also durch die Befriedigung des einen Bedürfnisses die Befriedigung eines anderen verhindert wird. 

14. Zentrales Entwicklungs-Ziel in Partnerschaft/Familie ist die Übernahme der Verantwortung und Befähigung der Beteiligten zur gewaltfreien Befriedigung der eigenen wie der gemeinsamen unverstellten Bedürfnisse.
Dazu ist es wichtig, 

  • sich die Verantwortung für seine Lebens-Gestaltung (zurück) zu holen, also aus Mustern der Passivität, der Resignation, der Unfähigkeits-Vermutung, der Verantwortungs-Delegation, der Unterwerfung und des Opfer-Seins herauszutreten,

  • sich seiner Verhaltens-Muster in Bezug auf Ausübung oder Duldung von Gewalt (emotional, nonverbal, verbal und handlungsbezogen) klar zu werden und diese abzulegen,

  • zu erkennen, ob es sich bei den Bedürfnissen um primäre Echtbedürfnisse oder nur um sekundäre Ersatzbedürfnisse handelt,

  • zu erkennen, ob es sich um Bedürfnisse handelt, für deren Befriedigung jede Person selbst voll zuständig ist, oder um Beziehungs-Bedürfnisse, die nur in Abstimmung mit einer Person oder mehreren anderen Personen zu befriedigen sind. 

15. Es gilt der Grundsatz, dass alles Bessere neu ist, obwohl umgekehrt nicht alles Neue besser ist.
Deshalb ist es Ihre Aufgabe, im Beziehungs-Experiment zu prüfen: 

  • Handelt es sich in dieser Situation wirklich um eine neue Art des Herangehens an Beziehungs-Herausforderungen oder schütten wir nur alten Wein in neue Schläuche, d. h. neigen wir zum Selbst-Betrug einer weiteren Variation des Alten, da sich nicht bewährt hat?

  • Verspricht dieses Neue (Denken, Fühlen, Herangehen) mir, dir und uns beiden oder der Familie oder dem Team auf Dauer wirklich gut zu tun? 

16. Partnerschaften leben von prinzipieller Gleichberechtigung, von Gegenseitigkeit, erkennbar an der grundsätzlichen Austauschbarkeit (Reziprozität) der Seiten:
„Was du dir erlaubst, das hast du grundsätzlich auch mir zu erlauben.“
Es geht in der Partnerschaft, Familie und Team darum, Macht- und Status-Unterschiede, die zwangsläufig entstehen, immer wieder zu erkennen und unnötige Hierarchien abzubauen.
Macht-Gefälle in der Partnerschaft erkennt man daran, dass man den Partner/die Partnerin (das Kind in der Familie) zum Objekt macht, also seiner/ihrer Subjekthaftigkeit und Eigenständigkeit beraubt, ihn/sie zu manipulieren versucht, anstelle ihm/ihr authentisch, unverstellt, echt und ehrlich zu begegnen.

17. Bedingt durch Begabungs-, Interessen- und Erfahrungs-Unterschiede treffen Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen in Partnerschaften/Familien aufeinander, bilden sich in der Partnerschaft/Familie fortwährend neue Kompetenz-Unterschiede heraus.
Diese Unterschiede können bestenfalls genutzt werden, um sich zu einer wirksamen Gemeinschaft zu ergänzen.
Bei fehlendem Problem-Bewusstsein führen jedoch diese Unterschiede dazu, dass sich Rollen-Fixierungen im Zusammenspiel der Beziehungen ergeben (sogenannte Kollusionen oder Verstrickungen), die eine Entwicklung beider Partner oder der Familien-Mitglieder zur Ganzheit, zu einer integrierten Persönlichkeit verhindern. 

  • Beim Mann geht es meist um die Integration „weiblicher“ Anteile
    (Anima-Integration: Fürsorglichkeit, Sanftheit, Harmonie-Bereitschaft, Einfühlung, Geduld, Umsicht, Nachsicht, Rücksicht, Vorsicht, Hingabe, Dienen etc.).

  • Bei der Frau geht es meist um die Integration „männlicher“ Anteile
    (Animus-Integration: Deutlichkeit, gedankliche Klarheit, Initiative, Konflikt-Bereitschaft, Handlungs-Mut, Einstehen für die eigenen Interessen etc.). 

  • Bei Kindern geht es um die Integration "erwachsener" Anteile von Selbst-Verantwortung, Umsicht, Konstruktion eigener Werte und Ablösung aus einengenden Bindungen, innerlich wie äußerlich.

18. Sich zu mehr Beziehungs- und Liebes-Fähigkeit hin zu entwickeln, erfordert, an die Stelle von Kontrolle ein tiefes Vertrauen (nicht Naivität und Blindheit) zu setzen.
Kontrolle, in ausgearbeiteter Form als Neid oder Eifersucht, ist Gift für Beziehungen.
Kontrolle verhindert die notwendige Entwicklung hin zur Autonomie und zu sicheren Grenzen in der Persönlichkeit (Schutz des eigenen Territoriums).
Vertrauen ist hier gemeint als Bereitschaft, sich voll und ganz auf andere Menschen einzulassen.
Dieses Vertrauen bildet die zentrale Grundlage jeder (Liebes-) Beziehung. 

  • Als Kinder waren wir darauf angewiesen, selbst die Eltern zu lieben, die unser Vertrauen zu ihrem Vorteil und unserem Nachteil ausnutzten. Deshalb leben viele Menschen in der Angst, dass ihr Vertrauen erneut missbraucht wird.

  • Zu vertrauen ist ein aktiver Entscheidungs-Prozess der Vertrauens-Vorgabe sowie der Gefühls- und Bedürfnis-Öffnung in Richtung auf die Partner/Familien-Mitglieder.

  • Vertrauen können wir enttäuschen und missbrauchen, indem wir als Partner/ Eltern die Verhaltens-Weisen mehr oder weniger bewusst wiederholen, unter denen wir in vorangegangenen Beziehungen litten.
    Vertrauen zu lernen, bedeutet deshalb auch, die Unterschiede von damals und heute bewusst zu machen und, wenn erforderlich, herzustellen.

  • Wer das Vertrauen des Partners/der Partnerin ausnutzt, enttäuscht oder missbraucht, hat die volle Verantwortung dafür zu übernehmen sowie durch Transparenz, Einsicht und Wiedergutmachung die Bedingungen für erneutes Vertrauen wiederherzustellen.

  • Wer sich ausgenutzt, enttäuscht und missbraucht fühlt, hat die Aufgabe, am Neuaufbau des Vertrauens durch Verzeihen – nicht durch Vergessen – aktiv mitzuwirken. 

19. Kein Mensch ist vollkommen. Wir alle – selbst die mit einer (scheinbar) glücklichen Kindheit – sind mehr oder minder beziehungsgeschädigt, beziehungs- und liebesunfähig, weil noch immer viele gesellschaftliche und kulturelle Rahmen-Bedingungen unseren Eltern und uns die volle Entfaltung der Beziehungs- und Liebes-Fähigkeit erschweren bis verunmöglichen.
Zu lieben bedeutet unter anderem, sich selbst wie anderen Verfehlungen, Irrtümer, Unvollkommenheiten, Unüberlegtheiten usw. verzeihen zu können.
Zu lieben meint jedoch auch, 

  • Fehler, Mängel, Schwächen usw. zu erkennen,

  • sich liebevoll mit seinen Macken zu „erwischen“,

  • sich den Schatten-Seiten der Partnerschafts-Persönlichkeit zu stellen und

  • sich mutig engagiert darum zu bemühen, neue Möglichkeiten in Richtung auf mehr Beziehungs- und Liebes-Fähigkeit zu erwerben.  

20. Kernprobleme in Partnerschaften und Familien ergeben sich aus der Unfähigkeit der Betroffenen, Bedingungen für ein entwicklungsförderndes, Gleichberechtigung und Freiheit in Geborgenheit ermöglichendes Miteinander zu konstruieren und entsprechende Verhaltens-Weisen zu entwickeln.

Es geht darum, von einer an Konkurrenz, Kampf, Unterdrückung und Unterwerfung orientierten Kommunikation und Interaktion zu einem kooperativen Zusammensein als Paar und Familie zu gelangen.

 

21. Viele Probleme in Partnerschaften drehen sich um das Thema "Sexualität".

Die zentralen Fragen dabei sind:

Wie können Sexualität, Intimität, Gefühl, Beziehung und Liebe miteinander verbunden werden?

Wie können Lust, Erotik, Verlangen, Zärtlichkeit, Interesse aneinander und sinnliche Freude in einer länger andauernden Partnerschaft lebendig gehalten werden?

3. Illustrierte Download-Texte zur Begleitung von Paaren, Familien und Gruppen

Ich stelle Ihnen in dem folgenden Download-Texten mehrere Ansätze der Paar- und Sexualberatung vor:

  • In der relationalen Psychoanalyse, von ihr als Beziehungs-Analyse bezeichnet, entdeckte Thea Bauriedl die Bedeutung der Grenz-Ziehungen zur Herstellung von Selbst- und Fremd-Kontakten „neu“ und ergänzte bzw. verfeinerte dadurch einige gestalttherapeutischen Erkenntnisse.
    Ihr Ansatz ist interessant für Paare, die zur Konfluenz, zu Verschmelzung als Selbst- oder Fremd-Anpassung an den Partner oder die Partnerin neigen.

  • David Schnarch stellt den Interaktions-Aspekt der Paare, die Partnerschafts-Ökologie in den Mittelpunkt seiner Betrachtung.

  • Jack Lee Rosenberg und andere stellen den Körper und die Aufarbeitung der individuellen Sexualgeschichte ins Zentrum.
  • In der Tradition von Wilhelm Reich steht bei Alexander Lowen die Liebes-Fähigkeit einschließlich einer erfüllenden Sexualität im Mittelpunkt seiner körperpsychotherapeutischen Arbeit. Körperlich konkret und zugleich metaphorisch geht es Lowen in der Bioenergetik um ein Denken, Fühlen und Handeln vom Herzen aus.

Es gibt vielfältige Ansätze, Team-Fähigkeit zu fördern.
Den meines Erachtens komplexesten Ansatz zur Team-Förderung findet man in Ruth Cohns Konzept der Themenzentrierten Interaktion (TZI).

 

Download
Konzepte zur Entwicklungs-Begleitung von Paaren, Familien und Gruppen
o Beziehungs-Strukturen und Beziehungs-Qualitäten
o Paar- und Familien-Begleitung
o Klärungsorientierte Paar-Therapie
o Kooperation in Gruppen
o Konzepte der Gruppen-Dynamik
o Themenzentrierte Interaktion
4-1_Konzepte _zur_Entwicklungs-Begleitun
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Download
Liebes-Fähigkeit
o Liebe
o Selbst-Wert-Gefühl als Grundlage der Selbst-Liebe
o Selbst-Erkenntnis als Grundlage der Selbst-Liebe
o Selbst-Umgang
o Werte-Klärung als zentraler Aspekt der Selbst-Erkundung
o Selbst-Beziehung: Stand und Wünsche
4-2_Liebes-Fähigkeit.pdf
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Download
Partnerschaftlichkeit
o Paar-Qualitäten von A bis Z
o Partnerschaft
o Konstruktives sozial-kommunikatives Handeln
4-3_Partnerschaftlichkeit.pdf
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Download
Erkundung von Beziehungs-Erfahrungen und Entwicklungs-Möglichkeiten
Abenteuer Leben
I: Beziehungs-Erfahrungen aus Herkunfts-Familien und -Kulturen
II: Prä-, peri- und postnatale Beziehungs-Erfahrungen
III: Beziehungs-, Autonomie- und Bindungs-Erfahrungen aus der Kindheit
IV: Beziehungs-Erfahrungen aus Jugend und Adoleszenz
V: Beziehungs-Erfahrungen und Beziehungs-Gestaltung als Erwachsene
VI: Beziehungen zur Entwicklungs-Begleitung: Erfahrungen und Erwartungen
4-4_Erkundung_von_Beziehungs-Erfahrungen
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Download
Sexualität und Partnerschaft
o Sexualität und integrative Körper-Psychotherapie
o Erlangung von Liebes-Fähigkeit durch Befreiung des Leibes
o Ganzheitliche Sexualität und Innenerleben
o Intimität und Verlangen
4-5_Sexualität_und_Partnerschaft.pdf
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4. Zwölf Geburten zum Leben in Liebe

Dieser Themen-Bereich wendet sich an Menschen, die Interesse an einer weitgehend bewussten und selbstbestimmten Lebens-Gestaltung und Potenzial-Entfaltung haben. Dies bedeutet unter anderem, ihre durchlebten Lebens-Krisen zu akzeptieren sowie ihre künftig wahrscheinlichen Entwicklungs-Krisen in ihren Lebens-Entwurf kreativ einzubeziehen. Sie können sich mit Hilfe verdichteter Texte zu Lebens-Krisen von der Zeugung bis zum Sterben selbst erkunden und sich von den Gedichten durch schwierige Episoden hindurch thematisch begleiten lassen. Aufbauend auf der Geburts-Metapher werden zwölf Umbruch- und Durchbruch-Stationen im Leben zur Grundlage genommen, um krisenbehaftete Schlüssel-Situationen der Lebens-Spanne in Innenwelt- und Mitwelt-Balladen abzubilden.

 

Die Idee: Krisen-Vorbeugung durch Krisen-Wissen

Wie kommt jemand – in diesem Fall ich - auf die Idee, zwölf Geburten zum gelingenden Leben in Vers-Maß und Reim-Form zu beschreiben?

Ich war mit meiner ersten Frau etwa 20 Jahre zusammen. Unsere beiden Töchter waren sechs und ein Jahr alt. Unsere Beziehung war in einer tiefen Krise, obwohl wir uns sehr liebten.

Zum Glück fiel uns das Buch von Bernard Lievegoed: „Lebenskrisen – Lebenschancen - Die Entwicklung des Menschen zwischen Kindheit und Alter“ (Kösel, München 1979) in die Hände. In ihm beschrieb Lievegoed, dass in manchen langjährigen Beziehungen, die sehr liebevoll und stabil sind, tiefe Herkunfts-Schatten aus dem kollektiven Unbewussten nach oben steigen können, die dann auf den Partner oder die Partnerin projiziert werden.

Aus dem „Obwohl wir uns liebten“ konnte ein „Weil wir uns liebten“ werden.

Diese nur scheinbar minimale Neudeutung (Reframing) der Krisen-Situation rettete damals unsere Beziehung, die wir fast zwei Jahrzehnte trotz aller Schatten-Anfechtungen aus recht unterschiedlicher und schwieriger Herkunft so liebevoll, wie wir damals sein konnten, weiter führten.Heute erst verstehe ich, dass ich damals – anfangs noch unbewusst - die Weichen für diese Arbeit gestellt habe. Ab 2007 war in mir der Entschluss gereift, eine auf den Erfahrungen einer humanistisch-integrativen, systemisch-integralen und transpersonalen Psychotherapie und einer entsprechenden Entwicklungs-Begleitung aufbauende Psychologie der Entwicklung für die gesamte Lebens-Spanne - also für alle Lebens-Phasen - zu verfassen.Die Texte in diesem Bereich der „Geburten zum Leben in Liebe“ möchte ich Ihnen auf dieser Website zur Verfügung stellen.

 

Entwicklungs-Psychologie als Anregung zur Potenzial-Entfaltung

Eine Psychologie oder besser Psychosophie, also Weisheits-Lehre zur seelischen Entwicklung, wie ich sie verstehe, enthält eine Aufforderung zur Prävention im Sinne einer rechtzeitigen Auseinandersetzung mit Entwicklungs-Krisen und Wachstums-Chancen hin zum gelingenden, erfüllenden Mensch-Sein. Dies schließt ein gemeinschaftliches Bemühen um Verwirklichung einer humanen und ökologischen Welt-Ethik und einen entsprechenden Zusammenleben ein.

Entwicklungs-Psychologie wird von mir nicht verstanden als Beschreibung verallgemeinerbarer Standard-Entwicklung und daraus abgeleiteter Entwicklungs-Standards durchschnittlicher, also sogenannt normaler Menschen in einer für mich immer noch eigentümlichen bis skurrilen und absurden Gesellschafts-, Wirtschafts- und Welt-Ordnung.

In einer überwiegend neurotisierten Welt – und so schätze ich den gegenwärtigen Gesellschafts-Zustand meist ein - ist Normales angstbestimmt.

Eine psychosophische Entwicklungs-Psychologie in meinem Verständnis ist Anregung zur aktiven, selbstbestimmten und wirksamen Potenzial-Entfaltung.

 

Entwicklungs-Krisen und Wachstums-Chancen

Die Metapher der zwölf Geburten beschreibt zwölf ausgewählte Entwicklungs-Krisen – Krise dabei verstanden als unausweichliche Entscheidungs-Situation mit Gefahren und neuen Optionen. Dabei liegt bei mir der Akzent auf den mit jeder Krise sich neu entfaltenden Entwicklungs-Optionen, wenngleich Krisen auch immer ein Risiko des Scheiterns in sich tragen und zumeist mit der Notwendigkeit von Verabschiedung verknüpft sind.

Geburten als Entwicklungs-, Umbruch- und Transformations-Metaphern beschreiben Abschiede und Wachstums-Chancen, die unser Leben von der Zeugung bis zum Tod – und vielleicht sogar darüber hinaus – begleiten. Entwicklungs-Krisen sind meist keine Ufos vom Mars, die unerwartet und unberechenbar über unser Leben herein brechen und es bedrohen. Auf Standard-Krisen-Situationen wie Geburt und Tod können sich Frau und Mann sich – zumindest zu einem großen Teil – leibseelisch vorbereiten. Vorbereitung ist hier nicht gemeint als Planung, sondern im Sinne des Wortes als ein Sich-zuvor-bereit-Machen. So kann man sich auf das Sterben und den Tod vorbereiten durch Sterbe-Bereitschaft, wobei mit Sterbe-Bereitschaft, mit der Geburt Nummer zwölf, nicht ein resignatives Sich-drein-Finden in unser unumgängliches Ende, sondern eine aktive Einbeziehung der unausweichlichen Tatsache der materiellen Vergänglichkeit und des leiblichen Todes in das Leben gemeint ist – aber lesen Sie selbst.

Wir sind unserem Leben nicht nur ausgeliefert, sondern können es auch mitgestalten. Wir können unter anderem darauf achten,

  • Gefahren, die mit jedem Schritt in neue psycho-soziale Herausforderungen verbunden sind, zu minimieren und Chancen zu nutzen,
  • die mit jeder neuen bio-psycho-sozio-kulturellen Geburt verbundenen Entscheidungen achtsam zu treffen, 
uns  beispielsweise rechtzeitig und vollständig aus dem Eltern-Haus zu lösen und „auf Wanderschaft zu gehen“, um den ersten Schritt ins Erwachsen-Werden zu vollenden – Geburt Nummer sechs zu Selbst-Verantwortung und Selbstständigkeit einschließlich der Verantwortungs-Übernahme für die Schatten-Seiten des Daseins.
Lebens-Krisen entstehen mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Generations-Sprüngen, 
  • wenn also durch die Geburt eines Kindes Partner zu Eltern und Eltern zu Großeltern werden oder
  • wenn durch schwere Krankheit, Demenz oder Tod der Großeltern die ehemaligen Kinder, inzwischen oft selbst Eltern, in die Fürsorge-Situation geraten, in der früher ihre Eltern, jetzt oft Großeltern, waren. 

Diese Generations-Sprünge mit den aus ihnen heraus entstehenden Aufgaben als Aufgreifen neuer Sozial-Funktionen und notwendigen Abgaben als Loslassen bisheriger Sozial-Funktionen ermöglichen und erfordern einen teils radikalen Wandel in der Lebens-Perspektive.

Für diesen Wandel der Sicht-Weise auf das Dasein benutze ich die Metapher der bio-psycho-kulto-sozialen Geburt.

 

Zwölf Geburten auf dem Lebens-Rad

Zwölf Geburten habe ich auf einem „Lebensrad“ angeordnet, um zu zeigen, wie sich die Geburten gegenseitig durchdringen und beeinflussen. Besonders markant ist der Zusammenhang von erster und zwölfter Geburt: Weisheit und Sterbe-Bereitschaft führen nicht in Todes-Angst und Resignation angesichts der Erfahrung von Vergänglichkeit, sondern hin zu mehr Lebens-Bejahung und Daseins-Bereitschaft, wenn die zwölfte Geburt geglückt ist. Die Vollendung der ersten Geburt kann sogar als Indikator dafür genommen werden, ob die zwölfte Geburt gelungen ist.Ein anderes Beispiel zum „Lebens-Rad“:

Das Erwachen eines existenzgrundlegenden Ich-Bewusstseins (Geburt 3) geht der Entfaltung eines Wir-Bewusstseins (Geburt 5) zwar erst einmal voraus, aber es besteht durchaus eine Wechsel-Wirkung in die andere Richtung, dass ein aufkommendes Wir-Bewusstsein auch unser Ich-Bewusstsein verändert.

 

Für mich ist das Geboren-Sein, was die Tatsache der Endlichkeit und des Todes einschließt, für ein Gelingen des Lebens bestimmend. Mit jeder neuen „Geburt“ entsteht eine besondere Weise, Bewusstsein zu verkörpern und Herausforderungen zu meistern.

Bei seiner leiblichen Geburt ist niemand allein. Diese in meinem Verständnis zweite Geburt kann ein schöpferisches Beziehungs-Geschehen sein, das zwei, drei oder mehr Menschen auf ihre besondere Art zugleich erleben.

Ich wünsche, auch Sterben kann wieder zu so einem Beziehungs-Geschehen werden.

 

Die zwölf Geburten zum gelingenden und erfüllten Leben stellen eine Art Checkliste dar, anhand derer Sie überprüfen können, ob, was in Ihnen geboren sein könnte – manche Geburten sind ein wenig altersabhängig -, auch schon vollständig geboren ist und welcher Geburts-Prozess noch in welchen Teil-Bereichen ansteht.

 

Bio-öko-psycho-kulto-soziale Geburten

Vollständige Geburts-Prozesse sind immer integral, d. h. sie berühren und wandeln zugleich die Lebens-Dimensionen des Biologischen, des Ökologischen, des Psychischen, des Kulturellen und Sozialen einschließlich seiner politischen und wirtschaftlichen Dimension.

Diese Teil-Geburten verbinden sich durch die Vielfalt ihrer Wechsel-Wirkungen zu einer dynamischen Einheits-Erfahrung.

Biologische Geburt:

Prozesse des leiblichen Entstehens und Vergehens begleiten uns über unser gesamtes Leben.

Wir erleben bewusst die Phasen unseres biologischen Wandels durch Veränderung der Hormon-Struktur, der Immun-Abwehr und anderer subtiler biologischer Prozesse (Geschlechts-Reife, Mutter- und Vaterschaft, Menopause, Krankheits- und Alterungs-Prozesse).

Wir würdigen die Weisheit unseres Leibes, die Zuverlässigkeit der zumeist unbewussten Regulations-Prozesse im Körper, unseren permanenten Austausch mit der Mitwelt und unsere untrennbare Verbundenheit mit ihr.

Wir akzeptieren die Endlichkeit unseres leiblichen Hierseins.

Ökologische Geburt:

Schon unser Gezeugt-Werden beinhaltet, in eine Mitwelt hinein gezeugt zu werden, auch wenn die Mitwelt des Menschen in Entstehung erst einmal als die Gebär-Mutter und der Mutter-Leib erscheint.

Aber auch die Mutter ist als biologisches Wesen eingebettet in die ökologischen Bedingungen für Atmen und Ernähren, von Wärme und Kälte, von Trockenheit und Trinkwasser-Reichtum.

Wir schützen die Menschheit und Mitwelt als Teil der Eigenwelt.

Wir erfahren die Einbettung des Organismus Erde in den Evolutions-Prozess des Kosmos.

Psychische Geburt:

In unserem Denken, Fühlen und Entscheiden werden neue Möglichkeiten freigelegt.

Wir erleben uns bewusster, selbstbestimmter und verantwortlicher in diesen inneren Prozessen.

Wir erkennen und akzeptieren unsere Entwicklungs-Chancen und Grenzen.

Wir können klarer darüber Auskunft geben, wer wir sind und wozu wir da sind.

Wir unterscheiden deutlicher zwischen Wissen, Vermuten und Ahnen.

Wir beziehen unsere Intuition ein und entwickeln diese weiter.

Wir erkennen den Bereich des Unbewussten in uns an und nehmen Kontakt zu unseren noch im Vorbewussten schlummernden Begrenzungen und Potenzialen auf.

Kulturelle Geburt:

Wir achten uns als geistige Wesen.

Wir erleben uns als Traditions- und Gestaltungs-Wesen im Kontext der uns umgebenden Kulturen.

Wir erkennen die Bedeutung der Herkunfts-Milieus, der Subkulturen, der Sprach-Sozialisation, der gesellschaftlichen Übereinkünfte und der Bildungs-Angebote für unsere Persönlichkeits-Entwicklung.

Wir befreien uns von den Fesseln einer uns beengenden Kultur, verstehen und verhalten uns als aktiv Mitgestaltende im globalen kulturellen Kontext.

Wir erkennen und bestimmen den Stellenwert und Zusammenhang von Alltags-Bewältigung, Wissenschaft und Spiritualität.

Soziale Geburt:

Wir erleben uns im Kontext der uns einschließenden und umgebenden sozialen Institutionen.

Wir übernehmen Funktionen in definierten und von uns zu definierenden und auszugestaltenden Feldern der sozialen Interaktion.

Wir begreifen die Bedeutung der durch demokratische Übereinkünfte oder durch Willen zur Macht-Erhaltung geschaffen politischen Institutionen mit ihren offiziellen und heimlichen Regeln und zielführenden wie zielverfehlenden Abläufen.

Wir bestimmen die Bedeutung von Aufbau- und Ablauf-Organisationen – räumlich und gesetzlich – für die Verwirklichung unserer Lebens-Entwürfe.

Wechsel-Wirkungen:

Wir entwickeln zunehmend Verständnis für die Wechsel-Wirkungen dieser fünf Geburts-Bereiche in unserem individuellen Entwicklungs-Gang, Entwicklungs-Prozess anderer Personen, von Gemeinschaften, Gemeinden, Nationen bis hin zur Menschheit. 

Download
Helmut von Bialy: Zwölf Geburten zu einem Leben in Liebe
o Zwölf Geburten im Überblick
o Erste Geburt: Lebens-Bejahung und Krisen-Mut
o Zweite Geburt: Atem-Kontakt, Bindung, Vertrauen
o Dritte Geburt: Ich-Bewusstsein, Typen, Individualität
o Vierte Geburt: Geschlechts-Bewusstsein, Normalität, Neurosen
o Fünfte Geburt: Wir-Bewusstsein, Kommunikation, Gruppen
o Sechste Geburt: Autonomie, Werte, Würde
o Siebte Geburt: Selbst-Liebe und Lebens-Freude
o Achte Geburt: Beziehungs-Fähigkeit und Partnerschaft
o Neunte Geburt: Elternschaft, Familie, Gemeinschaft
o Zehnte Geburt: Lebens-Mitte, Kreativität, Zukunfts-Fähigkeit
o Elfte Geburt: Seelen-Bewusstsein, Transpersonalität und Spiritualität
o Zwölfte Geburt: Alter, Weisheit, Sterbe-Bereitschaft
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5. Plädoyer für ein Leben in solidarischen und freien Partnerschaften und Gemeinschaften

Partnerschaften

Es geht darum, dass wir Menschen Beziehungs-Wesen sind, aus Beziehungen entstanden und in Beziehung stehend, auch wenn uns dies nicht immer klar und lieb ist. Wenn man sich mit Paar-Beziehungen beschäftigt, kommt man um die Klärung von vier Begriffen nicht herum, die unterschiedliche Aspekte der Paar-Beziehungen beleuchten: 

  • Kontakt steht für unsere Fähigkeit zur bewussten, aktiven, psychosozial-kreativen Beziehungs-Anbahnung und Beziehungs-Gestaltung zu uns selbst und zu anderen Wesen.

  • Sichere Bindung schafft in uns die Grundlage, uns hingabe- und vertrauensvoll auf die Nähe zu anderen Menschen einzulassen. Unsichere Bindung erschwert Liebe und Partnerschaftlichkeit.

  • Liebe meint das tiefe unmittelbare Erleben von Verbundenheit mit Menschen und Mitwelt und die daraus organisch erwachsende Selbst- wie Gesamtverantwortung für alle und alles.

  • Partnerschaft steht für unsere Sehnsucht und unser Bestreben, miteinander eine zeitlich unbegrenzte Beziehung als experimentelle und liebevolle Entwicklungs-Gemeinschaft kontaktvoll zu gestalten.

Es gibt nach meiner Erfahrung kaum etwas Schöneres, als eine lebendige, für Entwicklungen offene und zugleich dauerhafte, verbindliche Partnerschaft zu genießen. Es gibt zugleich kaum etwas Schwierigeres, als eine Partnerschaft bewusst und gezielt als Entwicklungs-Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit miteinander psychosozialkreativ zu gestalten. Vieles ist dafür zu können. Können erwirbt man durch Lernen.

So sind einerseits hinderliche Haltungen und Verhaltens-Weisen auf dem Weg zu Beziehungs-Kompetenz und Paar-Liebe zu verlernen, also dauerhaft zu unterlassen.

Andererseits sind förderliche Haltungen und Verhaltens-Weisen neu zu lernen und, soll das Lernen veränderungswirksam sein, letztendlich auch in Alltags-Handlungen umzusetzen.

Die Ihnen in den folgenden Download-Texten vorliegende umfangreiche Gedicht-Sammlung zu Kontakt, Bindung und Liebe in Paar-Beziehungen kann Ihnen die Idee von Partnerschaft als Entwicklungs-Gemeinschaft aus vielen Perspektiven näherbringen und Ihnen einen Einstieg in diese Haltung zur Paar-Beziehung erleichtern.

 

Entwicklungs-Begleitung von Paaren, sei es als Ehe- und Lebens-Beratung, als Paar-Coaching oder Paar-Therapie führt immer noch in Deutschland ein therapeutisches Schatten-Dasein, ist teuer, muss selbst bezahlt werden und hat keine allgemeinverbindlichen Mindest-Qualitäts-Standards.

Deshalb entstand eine umfangreiche Ratgeber-Literatur zur Selbst-Hilfe für sich allein gelassen erlebende, irritierte bis verzweifelte, aber immer noch entwicklungsbereite Menschen in Paar-Beziehungen.

Ich möchte mit diesem Buch die Ratgeber-Literatur nicht ergänzen, sondern Ihnen über viele Gedichte zu einer breiten Themen-Palette eine prinzipiell andere Begleit-Quelle für Ihre Paar-Entwicklung anbieten.

Die Gedichte sind im Zusammenhang meiner Praxis als Entwicklungs-Begleitender entstanden, der mit einem besonderen Ansatz der Poesie-Therapie arbeitet.

Ich empfehle Entwicklung suchenden Personen, sich mit Gedichten zu beschäftigen, die zu ihrem Thema passen, oder schreibe – gleichsam als Sitzungs-Protokoll – Gedichte, wenn das entsprechende Thema noch nicht abgehandelt wurde.

 

Gemeinschaften

Seit 1970 lebte ich hauptsächlich in unterschiedlichen Gemeinschaftsformen:

Anfangs in verschiedenen Wohn-Gemeinschaften, später in einer Haus-Gemeinschaft.

Seit 2008 habe ich mit meiner zweiten Frau auf der Suche nach alternativen Lebens-Konzepten unterschiedliche Lebens-Projekte, u. a. Ökodörfer, besucht. Dabei reifte in uns die Entscheidung, an einem Gemeinschafts-Projekt in einer Großstadt mitzumachen, weil die Zukunft der Menschheit sich eher in Städten abspielen wird und darum eher Modelle für enkeltaugliches Leben in der Stadt zu entwickeln sind.

Seit Anfang 2018 leben wir in einer Wohn-Genossenschaft mit dem Anspruch auf Nachbarschafts-Hilfe (umweltschonend, autofrei, barrierefrei). www.moeckernkiez.de

 

Gemeinschaften bestehen aus Individuen, Partnerschaften, Familien, Wohn-Gemeinschaften und anderen Gruppen (teams). Persönlichkeits-Entwicklung und Potenzial-Entfaltung in diesen sozialen Zusammenschlüssen erfordert,

  • erstrebenswerte Ziele und Visionen für Zusammenleben und Zusammenarbeit zu entwickeln und zu veranschaulichen.
    Ziel-Setzungen, die zu abstrakt sind, entfalten auf Dauer keine integrative Wirkung.
    Ziel-Setzungen, die im Kern lieblos bis lebensfeindlich sind, und deshalb ideologisch verschleiert werden müssen, untergraben ein Miteinander und werden nur solange verfolgt, wie Vorteilsnahme, Autoritäts- und Straf-Angst die eigentlichen menschlichen Bedürfnisse überlagern.
  • strukturelle und kulturelle Rahmen-Bedingungen dafür zu schaffen, dass Individuen und Gruppen ihre Potenziale im Hinblick auf zielführende Aufgaben und Projekte ausrichten können.

Gemeinschaften erweisen sich uns als notwendiges, zumindest wünschenswertes Binde-Glied zwischen Individuum und Gesellschaft.

Partnerschaft und die sich zunehmend verflüchtigenden Familien-Strukturen, insbesondere Alleinerziehende, sind als alleinige Vergesellschaftungs-Formen zu eng, zu einsam, zu anregungsarm und sind unserer Erfahrung nach damit überfordert, die Vielfalt der sozial-kommunikativen und kulturellen Bedürfnisse von Menschen zu befriedigen.

Nicht nur ein Kind, sondern jeder Mensch braucht viele wohlwollende Beziehungsangebote und eine ihn tragende und stützende Gemeinschaft, um seine Potenziale voll zur Entfaltung zu bringen.

Auf dass Sie dauerhaft glücklich werden können, plädiere ich dafür, dass Sie sich mit anderen ähnlich Gesinnten in Mehrgenerations-Gemeinschaften zusammenschließen, in denen die Bereiche des Zusammen-Wohnens, Zusammen-Lebens und der gemeinsamen Freizeit-Gestaltung, möglicherweise sogar der gemeinsamen Arbeit aufeinander bezogen sind.

Diese Gemeinschaften sollten groß genug sein, um eine hinreichend große soziale Vielfalt zu gewährleisten.

Sie sollten zugleich klein genug oder in entsprechend kleinen Untergruppierungen organisiert sein, um einen tragfähigen inneren Zusammenhang zu erreichen und ein gemeinsames Miteinander pflegen zu können.

 

Gemeinschafts-Kompetenz

Wir können nicht voraussetzen, dass wir in unserem Leben all die Fähigkeiten erworben haben, die man braucht, um in einer Mehrgenerations-Gemeinschaft aktiv, gleichberechtigt und konstruktiv mitgestaltend mitwirken zu können.

Die Erfahrungen aus Zusammenleben und Zusammenwirken in Familien, Kitas, Schulen, Ausbildung, Studium und Beruf waren überwiegend geprägt durch ungleichberechtigte, wettbewerbsorientierte hierarchische Beziehungs-Muster.

Diese sozial dysfunktionalen Muster machen nicht nur das Zusammenleben in lebendigen, entwicklungsorientierten Partnerschaften schwer, sondern auch die produktive und kreative Mitarbeit in Gruppen (Teams) und in Wohn- und Lebens-Projekten.

In Gemeinschaften haben wir es mit Einzelpersonen, mit Paaren und Familien, mit informellen Gruppen und Arbeits-Teams zu tun. Insofern beinhaltet wirksame Förderung von Gemeinschafts-Kompetenz auch die Entwicklungs-Förderung in den oben genannten Sozial-Konstellationen.  

Darüber hinaus entwickeln Gemeinschaften auch ihre eigenen Dynamiken. Diese gilt es mit zu beachten und so gemeinsam zu steuern, auf dass die Gemeinschaft lernend und damit lebendig bleibt. 

Wie lernen Menschen allein oder zusammen wirksam und zufrieden?
Ausgehend von einer konstruktivistischen Lern-Auffassung stelle ich Lehr-Kunst-Erfahrungen zur Verfügung, um die Lehr- und Lern-Strukturen in Gruppen und Gemeinschaften zu optimieren.

Veröffentlichung:
Gemeinschafts-Kompetenz - Welche Kompetenzen brauchen Menschen, um konstruktiv in einer Gemeinschaft mitzuwirken?

in: Der Mensch: Gemeinschaftsleben und Umwelt, Heft 50 - 51, 2015

Download
Helmut von Bialy: Kompetenz für lernende Gemeinschaften
o Lernende Gemeinschaften
o Wege zur Förderung von Gemeinschafts-Kompetenz
o Bewusstsein und Handlungs-Kompetenz
für konstruktives Gemeinschafts-Leben
o Vision (Vorstellungen) und Mission (Aktivitäten) zur Gemeinschafts-Kompetenz
o Vier Dimensionen zur Entwicklung von Gemeinschafts-Kompetenz
o Lern-Felder für Gemeinschafts-Kompetenz
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Download
Helmut von Bialy: Solidarisch und frei in Partnerschaft, Gemeinschaft und Gesellschaft leben - Gedichte für Psychosozial-Bildung und Poesie-Therapie
Solidarisch und frei in der Partnerschaft leben
o Teil 1: Selbst-Liebe als Grundlage für Paar-Liebe
o Teil 2: Heilsame Beziehungs-Erkundung
o Teil 3: Sozial-Entwicklungs-Ziele
o Teil 4: Paar-Liebe
o Teil 5: Erotik, Sexualität und Liebe
o Teil 6: Bindungs-Erfahrungen und Beziehungs-Fähigkeit
o Teil 7: Bezugs-Personen und Beziehungs-Fähigkeit
o Teil 8: Achtsamkeit für innere Eltern und Kinder
o Teil 9: Kindheits-Frustrationen und Neubeelterung
o Teil 10: Was Partnerschaftlichkeit zerstört
o Teil 11: Binden oder trennen
o Teil 12: Fragen zur Entwicklungs-Begleitung von Paaren
Solidarisch und frei in Gemeinschaften leben
o Teil 1: Gemeinschaftlichkeit
o Teil 2: Werte für Gemeinschafts-Aktion
Solidarisch und frei in der Gesellschaft leben
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Helmut von Bialy: Fünfplusfünf-Achtsamkeit zur solidarisch-selbstgesteuerten Kooperation und Konflikt-Bewältigung in Partnerschaften und Gemeinschaften
Gedichte für Psychosozialbildung
Achtsamkeit als Entwicklungs-Motor begreifen
o Selbst-Steuerung anstreben
o Achtsamkeit für Vitalität nutzen
Solidarisch kooperieren und Konflikte bewältigen
o Solidarität anstreben
o Partnerschaftlichkeit anstreben
o Solidarisch kooperieren
o Psychosoziale Konflikte bewältigen
Trance-Zustände erkennen und unterbrechen können
o Aus Konventions-Trance erwachen
o Aus Schutz-Trance erwachen
o Aus Kampf-Trance erwachen
o Aus Erstarrungs-Trance erwachen
Wach-Bereitschaft aktivieren
o Wach-Bereitschafts-Bereiche nutzen
o 1. Zur Selbstakzeptanz und Entwicklung bereit
o 2. Zur Selbst- und Gemeinschafts-Verantwortung bereit
o 3. Zur Einfühlung und Resonanz bereit
o 4. Zum Dialog und zum Multilog bereit
o 5. Zu Integration und Konsens bereit
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